Sonntag, 31. Juli 2022

[Books] Stephen King & Richard Chizmar - Gwendys letzte Aufgabe (Gwendy Band 3)

 

Stephen King & Richard Chizmar - Gwendys letzte Aufgabe (Gwendy Band 3)


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von RandomHouse und Heyne zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Gwendys letzte Aufgabe Originaltitel: Gwendy´s Final Task Autor: Stephen King & Richard Chizmar Übersetzer: Sven-Eric Wehmeyer Verlag: Heyne 
Reihe: Gwendy, Teil 3/3 |
Preis: 14,00 € Genre: Fantasy Format: Gebunden Seitenanzahl: 350 
ISBN: 978-3-453-42638-2 Original Erscheinungsdatum: 2022 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

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Ähnliche Bücher: Gwendys Wunschkasten (Stephen King & Richard Chizmar); Gwendys Zauberfeder (Richard Chizmar); Später (Stephen King)

Castle Rock, wir haben ein Problem!
Gwendy, als Politikerin für Klimafragen zuständig, begibt sich mit Wissenschaftlern ins All. Sie ist jedoch auf einer geheimen Mission. Der Wunschkasten ist zurückgekehrt, mächtiger und zerstörerischer denn je. Die Aufgabe, die Welt zu retten, könnte für sie zur Reise ohne Rückkehr werden.


Erster Satz


"Es ist ein wunderschöner Apriltag in Playalinda, Florida, unweit von Cape Canaveral."


Autoren


"Stephen King ist Autor von über fünfzig Bücher, die alle weltweit Bestseller wurden. Er gilt als der große Chronist des amerikanischen Alltags. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 2003 den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk und 2015 mit dem Edgar Allan Poe Award den bedeutendsten kriminalliterarischen Preis für Mr. Mercedes. 2015 ehrte Präsident Barack Obama ihn zudem mit der National Medal of Arts."

"Richard Chizmar ist Verleger von Cementery Dance Publications und Autor von Kurzgeschichten. Als Herausgeber von Anthologien wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Bram Stoker Award, mit dem World Fantasy Special Award und mit dem Preis der International Horror Guild."


Cover und Titel


Das Cover passt auch hier wieder sehr gut in die Reihe, allerdings wurde leider die besondere Haptik weggelassen: anstatt einem rauen, beinahe holzartigen Untergrund, hat man bei Band 3 darauf verzichtet und lässt den Einband glatt, hebt Titel und Autor mit Spotlack hervor. Das hat vermutlich finanzielle Gründe, ist aber trotzdem sehr schade. Das Cover zeigt den geschwungenen Titel und im Hintergrund Sterne und einen Astronautenhelm. Sowohl Cover als auch Titel passen sehr gut zum Inhalt des Buches. 


Meine Meinung


Wieder sind einige Jahre vergangen seit unserem letzten Wiedersehen mit Gwendy. Mittlerweile ist sie 64 Jahre alt, Autorin und Senatorin - und leider schon wieder im Besitz des Wunschkastens. Richard Farris übergab ihn ihr mit einer letzten Bitte: Der Wunschkasten muss verschwinden. Für immer. Und damit beginnt für Gwendy eine Reise, von der sie möglicherweise niemals zurückkehren wird ... 


„Die Leute brauchen keinen Wunschkasten, um grauenhafte Dinge anzustellen. Die Seele des Menschen steckt voller böser Scheiße."
S. 308


An diesem Buch haben wieder sowohl Stephen King als auch Richard Chizmar geschrieben - was man durchaus merkt. Allen voran natürlich an den vielen, mehr oder weniger versteckten Hinweisen auf Kings andere Bücher. Gerade diese Querverweise sind absolute Leckerbissen für Leser*innen, die seine anderen Werke kennen und lieben. 
Ansonsten ist der Schreibstil leicht zu lesen und man findet wieder deutlich mehr Spannung - die fehlte mir im zweiten Band ja leider. Die Story wird nicht chronologisch erzählt, sondern mit einigen Rückblenden. Gerade zu Beginn fragt man sich sehr häufig, was zur Hölle in der Zeit seit dem letzten Band geschehen ist, aber man wird dann stückchenweise aufgeklärt. Dadurch bleibt die Geschichte spannend, ist aber auch ein bisschen vorhersehbar.  

„Wenn man vor der Wahl steht, das Richtige oder gar nichts zu tun, tut man einfach das, was richtig ist. Immer. Ohne Ausnahme."
S. 346


Gwendy als Protagonistin ist sympathisch wie eh und je - wenn auch deutlich älter und daher mit Problemen, die ich (zum Glück) noch nicht nachvollziehen kann. Ich fand sie jedoch sehr authentisch, ehrlich und mit Ecken und Kanten. Das Setting im Weltall fand ich anfangs etwas ungewohnt, andererseits macht die Geschichte hier auch am meisten Sinn, daher konnte ich mich schnell damit arrangieren. Die Story hat einen tollen Spannungsbogen und bietet ein emotionales, rührendes, ruhiges, gleichzeitig aber auch bombastisches Ende, das mir sehr gut gefallen hat. 

Alles in allem ein toller, runder Abschlussband, der die Geschichte rund um Gwendy und den Wunschkisten zu einem schlüssigen Ende bringt - für mich ein gelungenes Finale, das Spaß macht! 

Fazit

Natürlich reicht die Trilogie von Gwendy nicht an die Meisterwerke von Stephen King heran, dennoch mochte ich sie. Es ist eine ruhige, atmosphärisch erzählte Geschichte mit Tiefgang, die einen stellenweise auch zum Nachdenken bringt. Band 3 ist um Welten besser als der Vorgänger, aber auch ein kleines bisschen schwächer als der erste Teil. Allerdings wirklich nur ein wenig ;)  Ein schöner Abschlussband, der die Geschichte zu einem runden, schlüssigen Ende führt. 


Sonntag, 17. Juli 2022

[Books] Alice Oseman - Loveless

 

Alice Oseman - Loveless Cover


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von NetGalley und Loewe zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


[Unbezahlte Werbung durch Markennennung]


Über das Buch


Titel: Loveless Originaltitel: Loveless Autorin: Alice Oseman Übersetzer:in VanessaWalder Verlag: Loewe 
Preis: 12,99€ Genre: Young Adult, LGBTQIA+ Format: eBook Seitenanzahl: 480 
ISBN: 978-3-7432-1219-0 Original Erscheinungsdatum: 2020 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

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Ähnliche Bücher: Nothing Left for Us (Alice Oseman), Heartstopper (Alice Oseman), Solitaire (Alice Oseman)

Georgia ist 18 und noch immer ungeküsst. Sie war noch nie verliebt, noch nicht einmal ein bisschen verknallt. Dabei schwärmt sie für alles, was so richtig schön romantisch ist: Hochzeiten, Liebesgeschichten und Happily-Ever-Afters. Der Richtige wird schon noch kommen, oder? Oder die Richtige? Irgendwann ... Aber was, wenn nicht?

Erster Satz

"Drei Pärchen saßen wild knutschend ums Feuer herum, als wären sie bei einer Kuss-Orgie."


Autorin


"Alice Oseman veröffentlichte den ersten Roman mit 19 Jahren. Inzwischen sind drei weitere Jugendromane erschienen sowie die erfolgreiche Webcomicserie Heartstopper. Alice starrt am liebsten stundenlang auf einen Computerbildschirm, stellt dabei die menschliche Existenz in Frage und tut alles Mögliche, um einen ordentlichen Bürojob zu vermeiden."


Cover und Titel


Das Cover ist in einem auffälligen Lila gehalten und ist vom Stil her wie die anderen Romane der Autorin: Einfarbig, auffälliger Titel und eine Zeichnung. Hier handelt es sich dabei um die schwarz-weiße Comiczeichnung eines Mädchens, das ein Herz in der Hand hält, von dem kleine Herzen davonfliegen. Titel und Cover passen sehr gut zum Inhalt.


Meine Meinung


Georgia ist 18, hat ihren Abschluss in der Tasche - und ist immer noch ungeküsst. Das nervt sie gewaltig, denn sie möchte auch das, was der Rest der Familie offenbar hat: eine glückliche Beziehung, Liebe, Romantik! Doch bisher war einfach nicht der Richtige dabei. Oder vielleicht die Richtige? Georgia ist verunsichert, denn ihr wird klar, dass sie sich bisher nie wirklich verliebt hat. Stimmt etwas nicht mit ihr? Jetzt muss sie die erste Zeit auf dem College unbedingt dafür nutzen, endlich herauszufinden, wer sie wirklich ist - und endlich sexuelle Erfahrungen sammeln und eine*n Partner*in finden! Oder .... ?


„Ich liebte - liebte! - Liebe. Ich weiß, das ist schmalzig. Aber ich war nie zynisch. Eine Träumerin vielleicht, die an die Magie der Liebe glaubte und sich danach sehnte."
pos. 126


Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, leicht und jugendlich. Das passt natürlich hervorragend zur Zielgruppe und mir hat das sehr gut gefallen. Auch die Tatsache, dass die gesamte Geschichte aus der Sicht von Georgia geschrieben ist, war sehr passend und hat dafür gesorgt, dass man ihre Story und ihr Handeln besser nachvollziehen kann.

Manche Übersetzungen fand ich allerdings etwas seltsam, z.B. wenn Pip ihre beste Freundin Georgia ständig "Kumpel" nennt ("Georgia, mein Kumpel." u.ä.). Im Original heißt es "dude". Die meisten Jugendlichen, die ich kenne, nutzen auch eher die englischen Begriffe und sagen eher "buddy" oder "dude" und sagen "Kumpel" nur indirekt (z.B. "Mein Kumpel XY sagt immer ..."), aber eben nicht in der direkten Ansprache. Das fand ich irgendwie etwas seltsam. Außerdem ist mir aufgefallen, dass vieles anders übersetzt wurde, z.B. wurde aus "Instagram influencer´s bedroom" plötzlich "Disneyland" oder aus "prisoner cell" ein "Archivfoto". Warum? Diese Änderungen sind nicht verständlicher als das Original und tragen nicht mehr zum Inhalt bei, also warum das Original ändern? Das macht überhaupt keinen Sinn! Ich werde mir ab jetzt jedenfalls überlegen, ob ich nicht lieber gleich beim englischen Buch bleibe anstatt die Übersetzung zu lesen, denn ich mag es überhaupt nicht, wenn Texte falsch übersetzt werden. (Das ist so lange in Ordnung, wenn das geänderte Wort in Deutschland gebräuchlich ist, während das Originale nur wenige kennen, z.B. Kroger vs. Aldi, aber auch hier in Deutschland kennen wir Influencer und Gefängniszellen. Warum also abändern?) 

„Es würde eine absolute Katastrophe werden, aber das würde keinen von uns abhalten."
pos. 1949


Die Protagonist*innen haben mir allesamt sehr gut gefallen, da sie Tiefe haben und sehr unterschiedlich sind. Pip und Sunil haben es mir ganz besonders angetan. Mit Georgia hingegen hatte ich ein paar Probleme, da ich ihre Entscheidungen oft nicht nachvollziehen konnte - auch wenn sie erst herausfindet, dass sie aro-ace ist und dementsprechend natürlich sehr verwirrt und verunsichert ist, hat sie sich gegenüber ihren besten Freunden oft wirklich unfair verhandelt und diese tief verletzt, teilweise war sie sogar richtig rücksichtslos. 


„Und das Schlimmste daran war - auch wenn ich mich nach diesen Dingen gesehnt hatte, wusste ich, dass sie mich sowieso nie glücklich gemacht hätten. Die Idee davon war immer schön. Aber die Realität machte mich krank."
pos. 3066


Die Thematik ist natürlich unglaublich wichtig. Gerade Asexualität ist im Bewusstsein der Gesellschaft gefühlt noch nicht so wirklich angekommen und auch in Büchern und Filmen eher selten vertreten. Daher sind gerade Bücher wie Loveless so unglaublich wichtig. Natürlich ist Asexualität und Aromantik ein breites Spektrum und hat viele verschiedene Facetten, die natürlich nicht alle in einem einzigen Roman abgebildet werden können, aber das Buch bietet auf jeden Fall einen ersten Einblick. Dank Georgia und Sunil lernt man viel darüber, was Asexualität / Aromantik eigentlich ist. Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis von LGBTQIA+ und zur Erweiterung der diversen Sichtbarkeit. 


„Alles wird gut. Es gibt nichts, was du tun musst, außer du zu sein."
pos. 3718


Fazit


Eine wundervolle Geschichte, die einem das A in LGBTQIA+ näher bringt und die humorvoll, aber auch dramatisch ist. Die Protagonist*innen sind vielfältig und mit Tiefgang geschrieben und der Schreibstil ist schön jugendlich und angenehm zu lesen. Einzig mit der Übersetzung habe ich stellenweise meine Probleme, da vieles nicht akkurat übersetzt wurde oder sich im Deutschen irgendwie seltsam anhört. 

Alles in allem auf jeden Fall eine tolle Geschichte über Queerness, Asexualität, Aromantik, Freundschaft, Liebe, Selbstfindung, Akzeptanz und Diversität, die ich jedem ans Herz legen kann.



Dienstag, 12. Juli 2022

[Books] Jasmin González: Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet - wild & sanft, stark & sensibel, entschlossen & frei

Jasmin González: Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet - wild & sanft, stark & sensibel, entschlossen & frei


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von Goldegg zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet Autorin: Jasmin González Verlag: Goldegg 
Preis: 19,95€ Genre: Female Empowerment Format: Klappenbroschur Seitenanzahl: 280 
ISBN: 978-3-551-57777-1 Original Erscheinungsdatum: 20021 

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Ähnliche Bücher: Das geheime Wissen der Hexen (Goodwill Galbassi); Die Wolfsfrau (Clarissa Pinkola Estes)

Über Jahrtausende sind wir Frauen in patriarchalische Strukturen und Traditionen hineingewachsen. Wurde uns vermittelt, wer wir sind, wie wir sind, wir wir auszusehen und zu fühlen haben. Wir tragen in uns die individuellen und kollektiven Wunden des Weiblichen, die es zu heilen gilt, ebenso wie all die Fähigkeiten, das Wissen und den Mut unserer Ahninnen. Es ist an der Zeit, dass wir unsere Macht wiederentdecken, annehmen und einsetzen. Wir sind wild, stark, entschlossen und im Innersten frei! #Bosswitch
        
Erster Satz

"Die Hexe, wie wir sie aus Märchenbüchern kennen, bucklig, auf dem Besen reitend, Unheil bringend, kleine Kinder fressend, gib es nicht - und gab es nie."


Autorin

"Jasmin Gonzalez setzt sich als Enfant terrible provokant über geltende Konventionen hinweg und ermuntert andere dazu, ihren eigenen Stil zu finden. Sie interpretiert Female Empowerment neu als freche, selbstbewusste Bewegung für Frauen, die sich mehr trauen und auf ihre innere Stimme hören. Als Voice- und Videocoach und mit ihrer Erfahrung als Moderatorin, Fernsehredakteurin und Speakerin unterstützt sie andere Frauen dabei, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und erarbeitet mit ihnen einen stimmigen, strategisch durchdachten Außenauftritt."

Web: https://www.jasmingonzalez.de/



Cover und Titel


Ich bin durch das Cover auf das Buch aufmerksam geworden: Die Farbe ist in einem auffälligen Magenta, die weiße Schrift des Titels schön groß mit einer besonderen Typographie. Eigentlich recht schlicht, aber eben dennoch (oder auch gerade deswegen) auffällig. Gefällt mir sehr gut! Auch der Titel ist gut gewählt und der Satz kommt im Buch immer wieder vor. Da bei mir und auch in meiner Familie das Wort "Hexe" stets mit guten Dingen besetzt war, hat mich der Titel auch direkt neugierig gemacht. Außerdem ist die Gestaltung des Buches auch im Innenteil wirklich schön, mit verschiedenen Elementen, Zeichnungen und Hervorhebungen einzelner Wörter oder Sätze. 

Meine Meinung


Frauen haben es nicht leicht. Hatten es nie leicht. Gefangen im Patriarchat, in Strukturen und Traditionen, die Frauen Fesseln angelegt haben und sie in ein Korsett zwängten, das nicht so einfach loszuwerden ist. Dieses Buch ist eine Auseinandersetzung mit den bestehenden Zwängen und gleichzeitig die Geschichte der Autorin, die zeigt, wie sie aus eben diesen ausgebrochen ist. 

„Es gibt aus meiner Sicht keine wichtigere, wertvollere Aufgabe, als deine Stimme zu finden und herauszufinden, wofür du diese einsetzen solltest."
S. 262


Der Schreibstil der Autorin ist sehr direkt, bildhaft und klar, stellenweise auch sehr jugendlich mit vielen Anglizismen und Ausrufen. Gerade die direkte Ansprache mit "du" fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, habe mich jedoch auch schnell daran gewöhnt. Denn genau das macht das Buch auch so eindrücklich. Als würde man mit einer Freundin quatschen - die ganz schön viel zu sagen hat! Die Autorin nimmt jedenfalls kein Blatt vor den Mund und erzählt nicht nur von dem Weg, den sie gegangen ist, um sich selbst anzunehmen, sondern auch von all den Rückschlägen und Steinen, die ihr vom Leben selbst oder von anderen Menschen in den Weg gelegt wurden. Das macht das Buch sehr authentisch - manchmal muss man schmunzeln, manchmal fühlt man sich ertappt, manchmal ermutigt und manchmal wütend. 


„1:10 hoch 2.685.00 - also eine 1 mit 2685.000 Nullen! Hm, jap, ich habe grad keine Zeit, um diese alle einzutippen, aber wir halten fest, die Wahrscheinlichkeit, dass gerade du geboren wirst, war sehr gering."
S. 18


Das Buch handelt von female empowerment, der Stärke von Frauen, Selbstbestimmung - Frauenpower pur! Die Autorin legt hier ein gut recherchiertes Werk vor und wirft den Leser*innen manchmal auch ganz schön heftige Dinge an den Kopf. Doch genau das ist auch augenöffnend und wichtig. An vielen Stellen musste ich zustimmend nicken oder darüber nachdenken - über das Geschriebene, aber auch mein eigenes Leben und meine Vergangenheit. Das hat mir sehr gut gefallen. Außerdem habe ich auch einiges Neues gelernt, zum Beispiel war mir nicht bewusst, dass die weibliche Stimme über die Jahrhunderte tiefer wurde und die Stimmhöhe auch heute noch in verschiedenen Ländern unterschiedlich ist. Wieder andere Stellen konnte ich nicht ganz so gut nachvollziehen, was aber auch in Ordnung ist, man muss nicht immer allem zustimmen. 

[Books] Jasmin González: Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet - wild & sanft, stark & sensibel, entschlossen & frei

Zwei Sachen haben mich aber wirklich ganz gewaltig gestört: 

1. Die Autorin verweist in ihrem Text sehr häufig auf andere Quellen, z.B. YouTube-Videos. Das finde ich an sich super, denn so hat man gleich noch etwas, was man sich anschauen oder durchlesen kann. Allerdings sind die Links im Text einfach ausgeschrieben. Da stehen also ewig lange URLs - ganz ehrlich: ich habe wirklich keine Lust, den abzutippen, nur um dann festzustellen, dass ich irgendwo einen Buchstaben- oder Zahlendreher drin habe. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Es wäre in der heutigen Zeit doch so einfach, das anders zu lösen! Möglichkeit Nummer 1: ein QR-Code am Anfang des Buches, der einen zu einer Auflistung führt, auf der die (anklickbaren!) Links aufgelistet sind. Möglichkeit Nummer 2: Am Anfang des Buches darauf hinweisen, dass man die Videos und weiterführende Links auf der Website beim Buch findet. Dann auf der Website entweder direkt die Links hinterlegen oder z.B. ein downloadbares PDF zur Verfügung stellen, in dem man die (ebenfalls anklickbaren) Links findet. Oder Möglichkeit Nummer 3: Wenigstens gekürzte URLs (z.B. mit bitly) nutzen. Dann muss man zwar immer noch abtippen, aber wenigstens keine ewig langen Links mit vielen Zahlen und Buchstaben ohne Sinn. So habe ich leider kein einziges der genannten Videos angesehen, da mir das ehrlicherweise einfach zu doof war. Schade!

2. Es gibt leider wirklich unfassbar viele Rechtschreib- und Grammatikfehler. Massenhaft! Ein paar Fehler findet man quasi in jedem Buch, aber hier war es wirklich auffallend extrem und hat den Lesefluss leider sehr gestört. Auch das wiederum sehr schade! 

Fazit


Ein Plädoyer für Weiblichkeit und Female Empowerment, welches mir alles in allem ganz gut gefallen hat. Der Sprachstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber daran gewöhnt man sich. Schlimm fand ich jedoch die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler und die Tatsache, dass so viele (lange!) Links einfach im Text ausgeschrieben wurden, anstatt sie wirklich anklickbar zu machen - das wäre mittels QR-Code oder Verlinkung auf der Buch-Website auch bei einem Printbuch machbar gewesen. Oder falls das aus unerfindlichen Gründen nicht machbar gewesen wäre, hätte man wenigstens einen URL shortener nutzen können. Von mir bekommt das Buch (sehr gut aufgerundete) 3,5 Sterne.


Samstag, 9. Juli 2022

[Books] Jenny Jägerfeld & Mats Strandberg - Monster auf der Couch: Der rätselhafte Fall der verschwundenen Psychologin

 



*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von penhaligon und RandomHouse zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Monster auf der Couch: Der rätselhafte Fall der verschwundenen Psychologin Originaltitel: Monster i Terapi Autor: Jenny Jägerfeld & Mats Strandberg Übersetzerin: Leena Flegler Illustrator: Erin Sandström Verlag: penhaligon 
Preis: 20,00€ Genre: F Format: Gebunden Seitenanzahl: 464 
ISBN: 978-3-7645-3268-0 Original Erscheinungsdatum: 2020 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

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Eine Psychologin verschwindet spurlos - in ihrem Büro findet die Polizei Akten über ihre Patienten: Dr. Jekyll, Dorian Gray, Carmilla und Victor Frankenstein. Ist es möglich, dass die zum Leben erwachten Figuren der Schauerliteratur in Therapie sind? Welche Geheimnisse hat die Psychologin über sie herausgefunden? Warum befinden sich Blutspritzer auf den Dokumenten? Und wollte die Verschwundene tatsächlich ein Buch mit dem Titel Monster auf der Couch schreiben? Nur wer die Akten der Psychologin durchstöbert, kann dem Mysterium ihres Verschwindens auf den Grund gehen und wird belohnt mit schauderhaftem Wissen: nämlich was uns Menschen zu Monstern macht - und Monster zu Menschen ...  

        
Erster Satz

"Meine Frau ist seit knapp einem Monat verschwunden."


Autor*innen


"Die schwedische Psychologin Jenny Jägerfeld, geboren 1974, betreut in ihrer therapeutischen Praxis Kinder und Erwachsene, zudem schreibt sie aber auch Bücher über sie. Für ihre Romane gewann sie im Kinder- und Jugendbereich bereits den renommierten August-Preis, den Astrid-Lindgren-Preis, den Kinderbuchpreis von Sveriges Radio und den LUCHS."

"Mats Strandberg, geboren 1976, zog als 16-jähriger aus dem kleinen Fagersta in Västmanland nach Stockholm. Heute ist er freier Journalist und schreibt unter anderem Kolumnen für QX und Aftonbladet. Im Jahr 2004 wurde er von Sveriges Tidskrifter - dem Verband schwedischer Zeitschriftenverlage - zum Kolumnist des Jahres gewählt. Sein Roman Halbes Leben war ein großer Überraschungserfolg und erhielt begeisterte Kritiken."


Cover und Titel


Das Cover - und allgemein die gesamte Gestaltung des Buches ist definitiv ein Hingucker! Titel und Blutstropfen in leuchtendem Rot und das Foto von Dr. Frankenstein sind mit Spotlack veredelt, während das "Papier" der Akte im Hintergrund eine raue Struktur hat. Dadurch wirkt das Buch nicht nur edel, sondern auch sehr interessant. Cover und Titel passen hervorragend zum Inhalt des Buches - nur der Untertitel "Der rätselhafte Fall der verschwundenen Psychologin" finde ich nicht so gelungen. Dazu später mehr. 

Meine Meinung


Eine Psychologin hat besondere Patient*innen in ihrer Praxis: Jekyll & Hyde, Frankenstein und sein Monster, Dorian Gray und die Vampirin Carmilla. Sie alle haben ganz unterschiedliche Probleme: Jekyll kämpft mit seinem zweiten Ich, das sich nicht so verhält, wie er es gerne hätte, obwohl er doch auch gleichzeitig den Drang verspürt, auch so zu werden; Carmilla sieht ich von ihrer Geliebten konfrontiert, die nicht verstehen möchte, dass sie das Blut anderer Frauen trinkt; Dr. Frankenstein hat ein Wesen erschaffen, vor dem er sich jetzt fürchtet und das Wesen selbst weiß nicht, wer oder was es ist. So viele verschiedene Schicksale - daher beschließt die Psychologin, über ihre Patient*innen ein Buch zu schreiben. 


„In jedem von uns steckt ein Hyde. Jemand, der sein Leben in vollen Zügen auskostet und den tierischen Trieben freien Lauf lässt. Der Unterschied ist bloß, dass Jekyll mir eine eigene Gestalt verliehen hat."
S. 57


Der Schreibstil ist recht einfach zu lesen, auch wenn man sich zuerst an die Art gewöhnen muss, denn die gesamte Geschichte wird in Form von Sitzungs-Protokollen, Notizen und Briefen erzählt. Gleichzeitig wird das Buch dadurch - und auch durch die hervorragende Gestaltung - zu etwas ganz Besonderem. 
Da die Patient*innen aus unterschiedlichen Epochen kommen, kommt es auch immer wieder zu sehr lustigen Szenen, z.B., wenn Carmilla entdeckt, dass in der heutigen Zeit Homosexualität ausgelebt werden darf & Polyamorösität ein echtes Wort ist, Dr. Jekyll einsehen muss, dass auch Frauen (sogar medizinische und wissenschaftliche!) Berufe ausüben dürfen oder Dr. Frankenstein sich damit konfrontiert sieht, dass sowohl die Psychologin als auch seine Verlobte glauben, er hätte ein uneheliches Kind mit einer anderen Frau anstatt einem "Monster", welches er selbst erschaffen hat. Immer wieder musste ich vor mich hin kichern oder laut lachen, dadurch wird die Story wirklich schön aufgelockert und zu einem echten Vergnügen. 


„Im Grunde können jeder Gedanke, jede Handlung und jedes Gefühl entweder dem Guten oder dem Bösen zugeschlagen werden. Es obliegt dem Einzelnen, die richtige Seite zu wählen, an jedem einzelnen Scheideweg im Leben, sei es im Großen oder im Kleinen."
S. 20


Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, dadurch kann man sie auch unterschiedlich gut leiden. Manche mochte ich sehr gerne und konnte auch ihre Probleme gut nachvollziehen, bei anderen fiel mir das deutlich schwerer. Gerade Dorian Gray fand ich grauenhaft unsympathisch - aber so sollte es wohl auch sein. Hier fand ich die Sitzungen daher auch etwas langatmig. Bei manchen Fällen war ich hingegen richtig gebannt und hätte gerne mehr gelesen. 

Während dem Lesen war ich allerdings auch sehr oft irritiert: Wie kommen die "Monster" in die heutige Zeit? Zeitreisen? Ein Portal? Nur in der Fantasie? Und wie kommen sie wieder zurück? 
Warum würden sich die Monster ausgerechnet einer PsychologIN anvertrauen, wo sie doch aus Zeiten stammen, in denen Frauen solche Berufe niemals hätten ausüben dürfen - und sie dementsprechend wohl kaum glauben würden, dass eine Frau gut und kompetent darin ist (außer vielleicht Carmilla, aber die würde eine Frau wohl aus anderen Gründen wählen, nicht aufgrund derer Kompetenz). Mal ganz abgesehen davon, dass die Psychologin auch noch lesbisch und schwanger ist - das würden viktorianische Männer sicherlich nicht akzeptieren, geschweige denn, sich dieser Frau auch noch anvertrauen und über die tiefsten Gedanken und Geheimnisse sprechen. 
Und zu guter Letzt: Warum kennt die Psychologin die Geschichten der Monster nicht und hält z.B. das, was Frankenstein erschaffen hat, zuerst für ein uneheliches Kind, wenn doch wirklich so gut wie jeder die Geschichte von Frankenstein und seinem Monster (und auch die Geschichten der anderen Kreaturen) kennt? Lebt sie in einer Realität, in der die Geschichten rund um Jekyll & Hyde, Frankenstein & Co. nicht bekannt sind? Dadurch, dass die Psychologin dahingehend so ahnungslos ist, kommt es jedoch sehr oft zu wirklich witzigen Situationen, die mir ausgesprochen gut gefallen haben. 


Ich hatte eigentlich erwartet, dass auf das Verschwinden der Psychologin mehr eingegangen wird und es quasi eine Art Kriminalfall geben wird, bei dem man versucht, anhand der Akten und Mails herauszufinden, was mit ihr geschehen ist. Und dass dadurch eine gewisse Spannung aufgebaut wird. Immerhin steht das auch groß auf dem Titel: "Der rätselhafte Fall der verschwundenen Psychologin"! Doch wo ist dieser rätselhafte Fall? Am Anfang gibt es einen Brief, bei dem die Ehefrau der Polizei mitteilt, dass ihre Frau verschwunden ist - das ist der einzige Hinweis darauf. Dann ist bis zu den letzten Seiten davon keine Rede mehr. Das Ende fand ich daher auch etwas unbefriedigend. Es klärt nicht auf, es hinterlässt eigentlich nur noch mehr Fragen. Eigentlich mag ich offene Enden durchaus gerne (wenn sie zum Buch passen) aber hier war es mir dann doch etwas zu offen. Man erfährt nicht nur nicht, was mit der Psychologin passiert ist, sondern hinterfragt auch alles andere. Das war mir dann persönlich etwas zu viel und ich hätte mir gewünscht, dass zumindest ein Teil der Fragen beantwortet werden. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn es einfach nur um die Therapie der Monster gegangen wäre anstatt um das Verschwinden, das dann irgendwie doch keine Rolle spielt und nur einen Berg an Fragen hinterlässt. Meiner Meinung nach hätte das völlig ausgereicht: Therapiesitzungen mit verschiedenen Monstern und die vielen Probleme, die sie mit sich herumtragen. Fertig. Hätte für mich gereicht, denn diesen Teil des Buches fand ich interessant und ausgesprochen amüsant. 

Fazit


Ein humorvolles Buch, das sich gut lesen lässt und viel Spaß gemacht hat. Leider lässt das Ende viel zu viele Fragen offen und das versprochene Rätsel um die verschwundene Psychologin spielt nicht wirklich eine Rolle - hinterlässt also am Ende nur noch mehr unbeantwortete Fragen. Dennoch hat mir das Buch aufgrund des tollen Humors ganz gut gefallen. 3,5 Sterne.  



Samstag, 2. Juli 2022

[Books] Ina Taus - Bullshit-Bingo: Das Spiel beginnt

 

Cover Ina Taus - Bullshit-Bingo: Das Spiel beginnt


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von NetGalley und Drachenmondverlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Bullshit-Bingo - Das Spiel beginnt Autor: Ina Taus Verlag: Drachenmondverlag 
Preis: 2,49€ Genre: Roman Format: eBook Seitenanzahl: 315 
ISBN: 978-3-95991-868-8 Original Erscheinungsdatum: 2021 

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Ähnliche Bücher: No Pain No Gain No Love (Mariella Heyd); Love Crash - Der Traum vom Neubeginn (Andreas Suchanek); All the Things that matter (Mira Manger)

Endlich ist Haley Studentin an der Penn University und lebt ihren Traum. Doch dann verliert ihr Vater seinen Job und sie weiß nicht, wie sie in Zukunft die Studiengebühren und ihr Zimmer im Wohnheim bezahlen soll. Als sie erfährt, dass die Mitglieder der Crossbones - eine Studentenverbindung - seit Jahren in einem geheimen Spiel gegenseitig antreten, scheint Bullshit Bingo die Rettung für Haley zu sein. Nachdem sie der Verbindung beigetreten ist, wartet allerdings bereits die nächste Schwierigkeit: Adam Carter, ihr ehemaliger Nachbar und der Mensch, dem sie gern weiterhin aus dem Weg gehen möchte. Doch leider ist das nicht so einfach, denn Adam ist ebenfalls Verbindungsmitglied und wirklich hilfreich beim Lösen der gestellten Aufgaben. Je länger die beiden zusammenarbeiten, desto klarer wird, dass sie zwar ein Spiel gewinnen, aber möglicherweise auch ihr Herz verlieren könnte ...
         

Erster Satz


"Man könnte meinen, der Wagen meines Bruder wäre wie von Zauberhand auf den winzigen Parkplatz geglitten."


Cover und Titel


Das Cover ist hübsch anzusehen, mit warmen Farben, Blümchen und einer Frau, deren Gesicht verdeckt wird. Was genau es aber mit dem Inhalt des Buches zu tun hat, ist mir leider nicht ersichtlich. Der Titel hingegen passt sehr gut.

Meine Meinung


Haley kann es nicht fassen: Endlich beginnt ihr neues Leben! An der Penn University möchte sie studieren und ihr Leben so richtig genießen. Alles gerät aber etwas durcheinander, als sie Adam wiedersieht - ihren ehemaligen besten Freund, der sie von einem Tag auf den nächsten ignoriert hat und nie wieder mit ihr sprach. Er scheint sich geändert zu haben, doch kann sie ihm wirklich vertrauen? 
Als dann auch noch Haleys Vater seinen Job verliert und somit die Finanzierung der Universität nicht mehr gesichert ist, muss ein Plan her - und das geheime Spiel einer Studentenverbindung könnte die rettende Lösung sein ...


„Wenn man sich so gut kennt, ist es leicht, den anderen genau dort zu treffen, wo es wehtut."
pos. 2031


Der Schreibstil der Autorin ist locker-leicht und unterhaltsam. Viele Szenen und Dialoge sind wirklich witzig, sodass ich ständig vor mich hin kicherte oder laut loslachen musste. Die bildhafte Sprache machte es einem leicht, sich in die Geschichte hineinzuversetzen. Die Story selbst ist jetzt nicht gerade bahnbrechend neu, vieles kennt man aus anderen Büchern oder Filmen und einige Twists sind wirklich sehr vorhersehbar, aber durch die sympathischen Charaktere und den angenehmen Schreibstil hat man trotzdem viel Spaß. 
Die Story plätschert anfangs ruhig dahin, entwickelt sich ganz langsam und die Autorin nimmt sich viel Zeit, die verschiedenen Charaktere einzuführen. Doch dann, nach einem Twist der Geschichte, wird es plötzlich beinahe hektisch, das Ende kommt super schnell, so als müssten all die entstandenen Probleme nicht aufgearbeitet, sondern einfach möglichst schnell aus der Welt geschafft werden. Die Story entwickelt sich nicht einfach weiter, so wie es am Anfang war, sondern es wird plötzlich wie im Schnelldurchlauf durchgehetzt. Auch wirkt es, als müsste Haley ihre Prinzipien größtenteils über Bord werfen und sich ändern, damit das Ende so sein kann, wie es eben ist. Hier hätte man sich etwas mehr Zeit nehmen sollen, um Haleys und Adams Geschichte sorgfältig zu Ende zu führen. So wirkt es zu gehetzt und zu gewollt. 

„Herzen sind fragiler als man denkt."
pos. 4481


Die Protagonisten sind alle sehr sympathisch, haben aber auch ihre Ecken und Kanten, wodurch sie sehr nahbar werden. Haley ist nett, süß, witzig, liebenswert, tollpatschig, orientierungslos und auch etwas verrückt, wodurch sie mir wirklich sehr sympathisch war. Adam ist sexy, hat Bad-Boy-Vibes, aber auch sehr viele süße Momente, ist ebenfalls witzig und hat eigentlich einen weichen Kern. Oder doch nicht? Die Schlagabtausche zwischen Haley und Adam waren jedenfalls fantastisch, ebenso wie die zwischen ihr und ihrem Bruder East. 
Auch die Nebencharaktere sind sehr vielseitig und haben größtenteils durchaus Tiefgang, was mir gut gefallen hat - ich liebe Madison und Yuna!
Allerdings wird das wichtige Thema Alkoholismus leider sehr beschönigend dargestellt, als wäre es zwar etwas nervig und einschränkend, aber doch eigentlich recht einfach zu lösen. Das ist leider sehr realitätsfern und absolut nicht in Ordnung. Aber nicht nur Alkoholismus, auch andere Themen wie Narzissmus, Verlassenwerden durch wichtige Bezugspersonen, Geldprobleme und Lügen & Hintergehen werden nur kurz angerissen und nicht weiter ausgeführt - oder es gibt eine wunderbar einfache Lösung dafür. Hier hätte ich lieber nur eines der Themen genommen und diesem dafür etwas mehr Platz in der Geschichte gelassen, als alles kurz anzureißen und dann wieder fallen zu lassen. Dafür sind diese Themen zu wichtig. 


„Ich treffe durchaus auch andere Leute. Aber du bist am pflegeleichtesten. Regelmäßig füttern und hin und wieder an die frische Luft bringen reicht."
pos. 384


Das Ende fand ich auch etwas schwierig. Auf der einen Seite fand ich es schön, dass es auf diese Weise endete, gleichzeitig war ich aber nicht zufrieden mit der Art und Weise. Aus einem Fehlverhalten wurden quasi keine Konsequenzen gezogen, im Gegenteil: es wurde so dargestellt, als wäre es völlig in Ordnung. 
Außerdem gibt es leider auffällig viele Rechtschreibfehler und hin und wieder sogar vertauschte Namen. 

Fazit


Ein Buch, bei dem es mir schwerfällt, es zu bewerten. Einerseits liebe ich die süße Lovestory, die tollen Charaktere und den genialen Humor, andererseits finde ich es furchtbar, wie Fehlverhalten von Personen keinerlei Konsequenzen haben und wichtige und weitreichende Themen wie Alkoholismus wie durch eine rosarote Brille betrachtet werden. Wenn man diese letzten Aspekte jedoch ignorieren kann, bekommt man eine locker-leichte, humorvolle Wohlfühl-Geschichte.


Freitag, 24. Juni 2022

[Books] Nicole C. Vosseler - Die Hüterin der verlorenen Dinge

 

[Books] Nicole C. Vosseler - Die Hüterin der verlorenen Dinge


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von NetGalley und HarperCollins zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 

Über das Buch


Titel: Die Hüterin der verlorenen Dinge Autorin: Nicole C. Vosseler Verlag: HarperCollins 
Preis: 14,99€ Genre: F Format: eBook Seitenanzahl: 7 
ISBN: 978-3-959-67907-7 Original Erscheinungsdatum: 2019 

Hier kaufen als Buch oder EBook 


Ivy Silvergren ist zehn, als ihre Mutter Lila, in jungen Jahren eine ebenso gefeierte wie umstrittene Dichterin, spurlos verschwindet. Ivy und ihr Vater, ebenfalls Schriftsteller mit bewegter Vergangenheit, bleiben mit nichts als Fragen zurück. Trost findet Ivy, indem sie verlorenen Dingen, die sie auf der Straße aufliest, eine eigene Geschichte schenkt: einem gläsernen Wal, einem präparierten Kugelfisch, einer Ballerina aus Porzellan ... Dreizehn Jahre später hat Ivy aus dem Suchen und Finden einen Beruf gemacht und einen neuen Halt in dem einfühlsamen Pflastermaler Jack gefunden. Doch erst als Ivys Vater ihre Mutter endgültig für tot erklären lassen und neu heiraten will, fasst sie den Mut, sich der Vergangenheit zu stellen. Und so macht sich Ivy auf die wichtigste Spurensuche ihres Lebens: Die Suche nach ihrer Mutter und die nach sich selbst. 

Erster Satz


"Das Gehirn ist ein seltsames Organ."



Autorin


"Nicole C. Vosseler wurde 1972 in Villingen-Schwenningen geboren und studierte nach dem Abitur Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und in Konstanz, wo sie heute lebt. Mit ihrem Bestseller "Sterne über Sansibar" gilt sie als Mitbegründerin des Love and Landscapes-Genres und ist darüber hinaus erfolgreiche Autorin von Jungendbüchern. Ihre Bücher wurden bereits in acht Sprachen übersetzt. Vosseler, die selbst einmal im Jahr eine Fernreise unternimmt und sich dabei gern als "Food-Ethnologin" unter Beweis stellt, hat mit "Der englische Botaniker" wieder eine neue Gattung definiert: den magisch-sinnlichen Abenteuerroman."


Cover und Titel


Das Cover ist recht dunkel und passt allein deswegen schon gut zum Inhalt. Im Hintergrund sind verschiedene Dinge zu sehen: Schlüssel, Federn, Brillen, Knöpfe - verlorene Dinge, die Ivy auf den Straßen gefunden haben könnte. Sowohl Cover als auch Titel passen sehr gut zur Geschichte.

Meine Meinung


Ivy hat als junges Mädchen ihre Mutter verloren, die einfach spurlos verschwand. Seitdem sucht sie Trost in verlorenen Dingen, die sie auf der Straße findet und denen sie eine neue Geschichte gibt. Eines Tages wird Ivy klar, dass sie sich auf die Spuren ihrer Mutter begeben muss, um sich selbst kennenzulernen ....

„Wir greifen nach den Sternen, bleiben uns selbst aber ein Mysterium."
pos. 1266


Der Schreibstil ist sehr ausgefeilt, poetisch, blumig und detailliert. Das ist einerseits schön, andererseits an manchen Stellen einfach "too much". Außerdem leidet durch die teilweise endlosen Beschreibungen die Spannung. Die Atmosphäre im Buch ist sehr melancholisch, selbst an den "leichteren" und "schöneren" Stellen beinahe bedrückend. Von der ersten bis zur letzten Seite ist die Geschichte sehr ruhig und leider auch etwas langatmig. Ich habe sehr lange gebraucht, um das Buch fertig zu lesen, weil es mich einfach nicht fesseln konnte.


„Man kann die Erinnerung nicht einfrieren. Was bleiben soll, trägt man immer ins ich, und was man vergessen hat, muss man gehen lassen."
pos. 643


Die Protagonistin Ivy ist ein spezieller Charakter, den ich leider oft nicht nachvollziehen konnte (Stichwort: Florida und Stan - das fand ich unfassbar unglaubwürdig und sehr, sehr seltsam ...). Die anderen Charaktere blieben größtenteils leider recht blass. Schön fand ich, dass sie alle Ecken und Kanten haben und nicht perfekt sind.


„Ich habe mich immer gefragt, warum ausgerechnet das Japanische solche Worte kennt. Für die Poesie des Kleinen, Wunderbaren. Für das, was so schnell wieder vergeht. Warum sind diese Worte in anderen Sprachen so selten?"
pos. 96


Alles in allem ein Buch mit sehr viel Melancholie, in dem alles äußerst ausführlich beschrieben wird (gerne auch mehrfach) und die Spannung leider zu kurz kommt. 


Fazit

Konnte mich leider nicht überzeugen, da ich mich mit der Protagonistin nicht richtig anfreunden konnte und mir die Story leider zu langatmig war. Schön fand ich die Message des Buches, dass man die kleinen Dinge wertschätzen muss.



Sonntag, 15. Mai 2022

[Books] Barbara Cantini - Oskar & Ophelia (1) Flugstunde mit Kater

 

Barbara Cantini - Oskar & Ophelia Cover


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von dtv zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Oskar & Ophelia - Flugstunde mit Kater Originaltitel: Puffy & Brunilde: Un pizzico di magica Autorin: Barbara Cantini Übersetzer: Knut Krüger Illustratorin: Barbara Cantini Verlag: dtv 
Reihe: Oskar & Ophelia, Teil 1/x |
Preis: 13,00€ Genre: Kinderbuch, Fantasy Format: Gebunden Seitenanzahl: 64 
ISBN: 978-3-423-76372-1 Original Erscheinungsdatum: 2020 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

Hier kaufen als Buch


Ähnliche Bücher: Mortina (1) Ein Mädchen voller Überraschungen (Barbara Cantini); Mortina (2) Das große Verschwinden (Barbara Cantini); Amalia von Flatter (Laura Ellen Anderson)

Oskar ist ein süßes, flauschiges Katerchen, findet aber einfach kein Zuhause. Ob es daran liegt, dass er manchmal - poff - ein bisschen zaubert? 
Ophelia ist eine kleine Hexe, die ihrem ersten großen Hexenflug entgegenfiebert. Doch ohne schwarze Katze darf sie nicht starten ... 
Die beiden scheinen wie füreinander gemacht. Doch als sie sich endlich finden, gibt es eine magische Überraschung ...
         
Erster Satz

"Oskar wurde in einem löchrigen alten Korb geboren, zusammen mit Fluffy, Mimi und Lilli."



Autorin und Illustratorin


"Barbara Cantini wurde 1977 in Florenz geboren. Nach ihrem Hochschulabschluss ließ sie sich zur Animationsdesignerin ausbilden. Bis zum Jahr 2011 hat sie eine Reihe von Animationsserien für das italienische Fernsehen entworfen und wurde als Illustratorin des Jahres ausgezeichnet. Als Illustratorin arbeitet sie seitdem mit amerikanischen, englischen und italienischen Verlagen zusammen. Mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern, drei Katzen und einer Hündin, die fast so haarig ist wie Ophelia, wohnt sie in der Nähe von Florenz auf dem Land. Barbara Cantini hat auch die Abenteuer des entzückenden Zombiemädchens Mortina geschrieben und gezeichnet, die in 30 Länder verkauft und ein Riesenerfolg wurden."


Cover und Titel


Das Cover zeigt Ophelia mit ihren langen roten Haaren und einem Besen in der Hand, neben ihr der schwarze Kater Oskar und unter ihnen verschiedene Häuser. Das Cover zeigt gleich, welche tollen Illustrationen einen im Buch erwarten und passt daher ebenso wie der Titel hervorragend zum Inhalt des Buches.

Barbara Cantini - Oskar & Ophelia Illustration Beispiel



Meine Meinung


Oskar und Ophelia fehlt beiden etwas Wichtiges im Leben: Der Kater sucht ein Zuhause und wird einfach nirgends akzeptiert, die kleine Hexe braucht eine schwarze Katze, sonst darf sie nicht an ihrem ersten Mitternachtsflug teilnehmen. Kein Wunder also, dass die beiden füreinander geschaffen sind! Es braucht ein bisschen Zeit, bis die beiden sich finden, doch dann wird ihnen schlagartig klar: Wir gehören zusammen! Doch ihre erste gemeinsame Flugstunde läuft anders als geplant und bringt Hexe und Katze in eine ganz schön verzwickte Situation ... 


„Er hatte kein großes Interesse an Katzendingen und war darin auch nicht besonders gut. Er hatte andere Pläne, auch wenn er noch nicht genau wusste, welche das waren."


Wie ich es von den Mortina-Büchern bereits gewohnt war, ist auch hier der Schreibstil der Autorin einfach, flüssig und kindgerecht. Bei den Illustrationen sind immer wieder kurze Sätze, die auf etwas hinweisen oder erklären. Das hat mir bereits bei Mortina super gefallen und ist auch hier wieder wundervoll. 


„Und wisst ihr was? Ganz oft liegt ein besonderes Talent im Verborgenen und muss - Poff! - erst noch entdeckt werden. 
Dafür könnt ihr auch mal ein paar Umwege in Kauf nehmen ..."


Anstatt um ein kleines Zombiemädchen geht es bei Oskar & Ophelia um eine junge Hexe und ihren neuen Freund - ein schwarzer Kater, der mit einer guten Portion Magie ausgestattet ist. Somit findet sich auch in diesem Buch viel Übernatürliches und Magisches und zwei äußerst außergewöhnliche Charaktere. Denn nicht nur die kleine Hexe steht im Mittelpunkt, auch ihr Kater bekommt ordentlich Tiefgang und einige interessante Charakterzüge. Die Handlung ist interessant, lustig und fantastisch - sogar ein unerwarteter Twist hat Platz. Insgesamt fehlt mir ein klitzekleines bisschen die Mortina-eigene Magie, die dieses entzückende Zombiemädchen verbreitet und auch die Illustrationen sind dort noch ein bisschen detaillierter, aber Oskar & Ophelia können trotzdem überzeugen. 


„Ophelia legte sich mächtig ins Zeug, um endlich ihre Katze zu finden. Sie schaffte es aber nur, von der Polizei als verdächtige Person eingestuft zu werden."


Die Illustrationen sind wie immer traumhaft schön, lustig, interessant - und so detailliert, dass man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Das macht die Bücher von Barbara Cantini zu etwas ganz Besonderem. 

Meine Nichte und ich lieben Mortina - und jetzt lieben wir eben auch Oskar & Ophelia und sind gespannt, welche Abenteuer die beiden noch erleben werden! 

Barbara Cantini - Oskar & Ophelia Illustration Beispiel


Fazit


Ein entzückendes Buch über eine junge Hexe, ihren Kater und die Abenteuer, die sie gemeinsam erleben. Aber auch ein Buch über Freundschaft, Andersartigkeit, Talente und Umwege im Leben. 




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