Freitag, 21. November 2014

[Gedankenkiste] Memories of a lost friend

Eigentlich sehn wir uns gar nicht mehr
Obwohl wir früher wie Brüder warn
Krass was mit der Zeit passiert
Wie schnell man den Kontakt verliert
Hab grad gemerkt dass ich deine neue Nummer nicht hab
Wollt nur mal hören wie's dir geht
Jetzt ist es mitten in der Nacht
Und ich frag mich was du machst

Ich trink auf dich mein Freund
Auf jeden Tag aus unserer Zeit
Auf das was geht und das was bleibt

Ich trink auf dich mein Freund
Ich heb auf dich mein Glas
Auf das was kommt und das was war

Ich schenk mir nochmal nach
Werd langsam sentimental
Es passte nichts zwischen uns beide
Heut hab ich Schiss dir kurz zu schreibn
Sind wir Freunde die sich selten sehen?
Oder sind wir keine Freunde mehr?
Ey wichtig ist es nicht
Was wir hatten steht für sich!

Ich trink auf dich mein Freund
Auf jeden Tag aus unserer Zeit
Auf das was geht und das was bleibt

Ich trink auf dich mein Freund
Ich heb auf dich mein Glas
Auf das was kommt und das was war

Auch wenn Wege sich mal trennen
Und wir in andere Richtungen rennen
Es ist schon gut so wie es ist
Auch wenn man Zeit nicht konserviert
Und man sich irgendwann verliert
Ist es schon gut so wie es ist

Ich trink auf dich mein Freund
Auf jeden Tag aus unserer Zeit
Auf das was geht und das was bleibt

Ich trink auf dich mein Freund
Ich heb auf dich mein Glas
Auf das was kommt und das was war

Auf das was kommt und das was war

Ich heb auf dich mein Glas
Auf das was kommt und das was war
Auf das was kommt und das was war


Mark Forster feat. Flo Mega - Ich trink auf dich



Meine beste Freundin war mehr als nur eine Freundin für mich. Sie war die Schwester, die ich nie hatte. Wir waren uns immer sehr ähnlich. Äußerlich, genauso wie innerlich. Klein, zierlich, brünett, mit Brille, ungeschminkt, mit hohen Absätzen. Chaotisch, freundlich, immer lächelnd, oft weinend, tanzend, singend, lachend. Wir lasen dieselben Bücher, sahen dieselben Filme, hörten dieselbe Musik, trugen dieselbe Kleidung. 

Wir waren eins. 

Wir waren uns ähnlicher als viele echten Schwestern es sind. Wir wurden verwechselt, weil wir oft unbewusst das gleiche angezogen hatten. Wir haben die Leute verwirrt und entsetzt, weil sie nicht glauben konnten, dass wir wirklich nicht verwandt sind. 

Wir wussten immer, was der andere fühlt, ohne ein Wort zu sagen. Wir haben uns gegenseitig beschützt und verteidigt, waren immer füreinander da. Wir waren unzertrennlich. Ich habe dich getröstet, wenn du traurig warst. Wir haben gelacht, wenn wir glücklich waren. Getanzt, um all unsere Sorgen zu vergessen. Wir lagen auf dem Parkettboden unserer Tanzschule, unter der sich langsam drehenden Discokugel und haben romantische oder traurige Lieder gehört und dabei geweint. Oder gelächelt. Haben uns an der Hand gehalten, um uns Kraft zu geben. Wir haben die Nacht durchgetanzt, damit wir alles vergessen, was hinter uns liegt. So lange, bis wir völlig fertig zusammengebrochen sind und nur noch auf dem Boden lagen. 

Wir haben uns zum Lachen gebracht. Und wir haben andere zum Lachen gebracht. Wir waren die Häschen an Ostern und die Teufel an Halloween. Die, die an den Abschlussbällen auf die Bühne gestürmt sind und wie verrückt getanzt haben. Wir konnten andere begeistern. Wir haben gemeinsam Geburtstage gefeiert. Silvester. Oder einfach nur unser Leben. Wir haben Fußball gespielt. Waren an Fasching, Halloween und Ostern das Highlight des Abends. Wir haben auf Tischen getanzt. Uns verrückt benommen. Haben einfach losgelassen. Haben Cocktails gemixt, Leute zum Tanzen gebracht und Karaoke gesungen. Wir haben die schönsten und die schlimmsten Momente unseres Lebens geteilt. 

Und irgendwann war es einfach vorbei. Es war nicht, weil ich nach München gezogen bin, denn da haben wir uns noch gesehen. Und geschrieben. Aber irgendwann hattest du einfach keine Zeit mehr. Ab und zu kam eine kurze Entschuldigung von dir. "Tut mir Leid, war krank." "Tut mir Leid, hab so viel zu tun." Doch irgendwann blieb auch das aus. Du hast auf keine Nachrichten mehr reagiert. Weder von mir, noch von deinen anderen Freunden. Auf keine Anrufe, keine Mails, kein WhatsApp. Wir haben uns nicht einmal mehr gesehen, wenn ich wieder in der Heimat war. 

Ich habe es versucht.

Den Kontakt zu halten.

Dass wir uns nicht ganz verlieren.

Hab dir Briefe geschrieben. Unzählige Nachrichten. Ich hab dich angerufen. 

Doch du hast nicht reagiert. 

Auf nichts mehr.

Ich hätte dir so viel zu erzählen, es ist so viel geschehen in all der Zeit! Ich möchte dir erzählen, wie glücklich ich bin. Oder wie traurig. Wenn irgendetwas passiert, denke ich immer noch als erstes an dich. Und denke, dass ich dir das unbedingt erzählen muss. Doch dann fällt mir ein, dass das nicht mehr geht. Dass du nicht mehr zuhören würdest. Oder vielleicht würdest du zuhören, aber mir nicht antworten? Doch was bringt mir das? Ich möchte so verzweifelt meine beste Freundin zurück, die du doch einst warst. Du warst die beste Freundin, die ich je hatte. Aber eine Freundin, die mir nicht mehr zuhört, brauche ich nicht. Eine Freundin, die nie für mich da ist, brauche ich nicht. Eine Freundin, die ich niemals sehe, brauche ich nicht. 

Ich habe im Laufe meines Lebens viele Freunde verloren. Viele haben mich enttäuscht. Viele habe ich enttäuscht. Bei vielen war es meine Schuld, bei vielen ihre Schuld, bei vielen die Schuld von beiden. Viele waren es nicht wert, sich meine Freunde zu nennen. Bei wenigen habe ich die Freundschaft später erneut aufgebaut, bei vielen wollte ich es nicht. Bei vielen war ich verletzt und enttäuscht. Doch bei niemandem so enttäuscht wie bei dir. 

Wir haben es uns geschworen, erinnerst du dich? Dass wir uns niemals aus den Augen verlieren. Dass wir uns regelmäßig schreiben und uns regelmäßig sehen. Und anfangs hat es funktioniert, obwohl ich weg gezogen bin. Doch irgendwann fing es an. Erst langsam, und dann immer schneller. Ich habe dir einen Brief geschrieben, erinnerst du dich? Und du hast immer gesagt: "Ich schreibe dir gerade auch einen!" Doch es kam nie einer an. Irgendwann hast du nicht einmal mehr auf kleine Nachrichten via WhatsApp reagiert. 
Und irgendwann hast du meinen Geburtstag vergessen. 

Den ganzen Tag saß ich da und hab gehofft. 

Doch es kam nichts.

Nicht an diesem Tag.

Nicht am nächsten.

Und auch nicht am übernächsten.

Ich denke immer an deinen Geburtstag. Und ich schreibe dir noch immer, auch wenn ich es mir dieses Jahr lange überlegt habe. Ich war überrascht, dass du geantwortet hast. Es war nicht viel, was du geschrieben hast, aber immerhin. Es war ein Anfang. Doch seitdem kam nichts mehr. Ich bin gespannt, ob du dich irgendwann meldest.

"Ich trink auf dich" erinnert mich so sehr an dich. Wir waren wie Schwestern. Wir waren unzertrennlich. Nichts passte zwischen uns beide. Und jetzt reden wir kaum miteinander. 

Was ist passiert?

Ich habe auch oft keine Zeit, verstehst du? Vergesse mal, zu antworten. Manchmal wächst mir alles über den Kopf und ich vernachlässige andere. Und ja, ich vergesse auch mal Geburtstage. Aber nicht jahrelang. Auch wenn ich krank bin. Oder überarbeitet. Oder müde. Für meine besten Freunde finde ich immer irgendwann etwas Zeit. Vielleicht nicht so viel, wie sie verdient hätten. Aber niemals habe ich jahrelang keine Zeit. Das haben sie nicht verdient. Und das hab ich nicht verdient. 

Ich vermisse dich immer noch.

Und ich vermisse unsere alten Zeiten.

Aber ich habe keine Kraft mehr auf dich zu warten. 

An dich zu denken, macht mich nicht mehr glücklich, sondern traurig. 

Wenn ich an dich denke, kommen mir die Tränen, weil wir doch so viel hatten!

Und jetzt haben wir nichts mehr davon.

Ich muss loslassen.

Dich loslassen.

Nach vorne sehen.

Eine neue Freundin finden. Eine neue Schwester. 

Und dich zurück lassen.

Leb wohl.



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