Donnerstag, 4. Januar 2024

[Books] R. J. Palacio & Erica S. Perl - White Bird: Wie ein Vogel

[Books] R. J. Palacio - White Bird: Wie ein Vogel

 

*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kostenlos von NetGalley und Hanser zur Verfügung gestellt im Gegenzug für eine ehrliche, unbeeinflusste Rezension. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: White Bird - Wie ein Vogel Originaltitel: White Bird Autorinnen: R, J, Palacio & Erica S. Perl Übersetzer: André Mumot Verlag: Hanser 
Preis: 14,99€ Genre: Historischer Roman Format: eBook Seitenanzahl: 288 
ISBN: 978-3-446-27681-9 Original Erscheinungsdatum: 2023 Deutsches Erscheinungsdatum: 2023 |

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Sara verlebt eine glückliche Kindheit im Frankreich der 30er-Jahre – bis die Nazis ihr Land besetzen. Eines kalten Tages im April 1943 muss das jüdische Mädchen vor den heranrückenden deutschen Soldaten fliehen und wird dabei von ihren Eltern getrennt. Ihr Mitschüler Julien, den Sara bisher stets wegen seiner Behinderung gehänselt hat, findet sie. Allen Gefahren zum Trotz, verstecken er und seine Familie Sara viele Monate lang. Doch die Handlanger der deutschen Besatzer kommen ihnen auf die Spur ... Eindrucksvoll erzählt R.J. Palacio eine Geschichte von Krieg und Liebe, vor allem aber von der Kraft der Menschlichkeit in düsteren Zeiten.
       

Erster Satz

"Julian, keine Handyspiele mehr."


Autorin


"R.J. Palacio, 1963 in New York geboren, war 20 Jahre lang Grafikdesignerin, bevor ihr mit ihrem Debüt der Durchbruch als Schriftstellerin gelang: Wunder erschien 2013 bei Hanser, wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt, erfolgreich verfilmt und 2014 von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Es folgten Jeder Tag ein Wunder (2015), Wunder - Julian, Christopher und Charlotte erzählen sowie das Bilderbuch Wir sind alle ein Wunder (beide 2017). Zuletzt erschienen 2023 Roman, Graphic Novel und Verfilmung von White Bird - Wie ein Vogel. 2024 folgt ihr Kinderbuch Pony. R.J. Palacio lebt in New York."



Cover und Titel


Auf dem hellen, beigefarbenen Cover sieht man viele kleine schwarze, gezeichnete Blätter, die den Umriss eines Vogels bilden. Durch die reduzierten Farben wirkt das Cover zugleich schlicht und auffallend. Cover und Titel passen sehr gut zum Inhalt des Buches, auch wenn man den Sinn dahinter erst nach einer Weile erkennt :) 

Meine Meinung


Julian bittet seine Großmutter Sara, ihm vom Krieg zu erzählen, damit er ihre Erfahrungen für ein Referat nutzen kann. Sie zögert, denn es gibt manches, was sie noch nie irgendjemandem erzählt hat. Und nun soll sie es ausgerechnet ihrem Enkelsohn erzählen? All das Schöne, aber auch all das Schreckliche, was sie erlebt und gesehen hat? Doch schnell erkennt sie, wie wichtig das ist - für Julian ebenso wie für sie selbst. Also beginnt sie mit ihrer Geschichte - und lässt dabei nichts aus ...


„Bei uns allen gibt es etwas im Leben, das wir bedauern. Denk einfach immer daran: Nicht unsere Fehler bestimmen, wer wir sind, sondern was wir tun, wenn wir aus ihnen gelernt haben."
pos. 70


Der Schreibstil ist flüssig, authentisch, unglaublich poetisch und durch und durch fesselnd. Man wird von den ersten Seiten an in den Bann gezogen und selbst, wenn man das letzte Kapitel gelesen, den Buchdeckel längst zugeklappt hat, lässt es einen nicht los. Schon nach kürzester Zeit ist klar: das ist ein Buch, das man nie wieder vergisst.   


„Ich versuche, nicht in Kategorien von Gut und Böse zu denken. Ich stelle es mir lieber als hell und dunkel vor. Ich glaube, dass alle Menschen ein Licht haben, das in ihnen scheint. [...] Das Licht erlaubt es uns, anderen Menschen ins Herz zu schauen, die Schönheit dort zu erkennen. Die Liebe. Die Traurigkeit. Die Menschlichkeit. Doch manche Menschen haben dieses Licht verloren. Sie tragen Dunkelheit in sich, und sie sehen auch in anderen nur Dunkelheit. Keine Schönheit. Keine Liebe."
pos. 519


Die Story wird auf zwei Zeitebenen erzählt: einmal die Gegenwart, in der Julian seine Großmutter darum bittet, ihm ihre Geschichte zu erzählen und einmal die Vergangenheit, in der wir hautnah miterleben, was Sara widerfahren ist. Dadurch wird enorm Spannung aufgebaut, denn immer wieder werden die Kapitel der Vergangenheit, in denen es nicht selten um Leben oder Tod geht, unterbrochen von Julian, der Fragen stellt und nachhakt, ob er alles richtig verstanden hat. Außerdem lernen wir so Julian besser kennen, der im Buch "Wunder" ja hauptsächlich die Rolle als "Bösewicht" einnimmt. Hier lernen wir eine andere Seite von ihm kennen, eine, die sein voriges Handeln hinterfragt, die sich damit beschäftigt, sich zu ändern und die bereut, was er getan hat. Man muss "Wunder" aber nicht kennen, um dieses Buch zu verstehen, beides kann unabhängig voneinander gelesen werden. 
Sara lebt als Kind in der unbesetzten Zone in Frankreich, sie hat ein schönes, unbeschwertes Leben, liebende Eltern und vom Krieg bekommt sie eigentlich nicht wirklich was mit. Für sie ist das ganz weit weg. Bis es das plötzlich nicht mehr ist. Als an ihrer Schule alle jüdischen Kinder deportiert werden, kann sie mithilfe eines Mitschülers fliehen: ausgerechnet Julien, der aufgrund einer früheren Polio-Erkrankung nicht richtig laufen kann und deshalb von allen gemobbt wird, bietet ihr Hilfe an und auch seine Eltern riskieren ihr Leben, um sie zu schützen. Für Sara, die nicht weiß, ob sie ihre Eltern jemals wiedersehen wird und ob diese überhaupt noch am Leben sind, beginnt eine schwere Zeit voller Angst, Sorge, Gefahr, aber auch Selbsterkenntnis. Denn anfangs kommt Sara einem recht überheblich und eitel vor, doch das ändert sich schnell und sie hinterfragt ihr früheres Handeln und Denken. Hier findet auf jeden Fall eine starke Charakterentwicklung statt. 

„Es braucht immer Mut, um freundlich zu sein. Aber wenn du durch eine Zeit gehst, in der Freundlichkeit dich um alles bringen kann - um deine Freiheit, um dein Leben -, wird Freundlichkeit zum Wunder. Freundlichkeit ist alles. Ein Licht im Dunkeln. Der eigentliche Kern der Menschlichkeit. Sie ist Hoffnung."
pos. 2649


Die Geschichte ist wahnsinnig berührend, fesselnd, wunderschön und gleichzeitig entsetzlich. Selten habe ich bei einem Buch so viel geweint, aber auch gelacht, und mir so viele wundervolle Stellen markiert. Ein Roman, der von Angst, Schrecken, Gewalt, Hass und von Liebe, Freundschaft, Menschlichkeit, Hoffnung und Nächstenliebe erzählt und der noch sehr lange nachhallen wird. 

Fazit


"White Bird" ist ein Must-Read und für mich eines meiner absoluten Jahreshighlights 2023! Nicht nur für Jugendliche ein Muss, sondern auch für alle Erwachsene. Einfach jeder sollte dieses Buch lesen! 


[Books] Frau Honig und die Schule der Fantasie

 

[Books] Frau Honig und die Schule der Fantasie



*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kostenlos von NetGalley und Thienemann Esslinger zur Verfügung gestellt im Gegenzug für eine ehrliche, unbeeinflusste Rezension. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Frau Honig und die Schule der Fantasie | Autorin: Sabine Bohlmann Illustratorin: Joëlle Tourlonias Verlag: Planet! 
Reihe: Frau Honig, Teil 5/7 |
Preis: 10,00€ Genre: Kinder Format: Gebunden Seitenanzahl: 96 
ISBN: 978-3-522-50679-3 Erscheinungsdatum: 2020 

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Als Frau Honig an einem stürmischen Tag auf den Schulhof einer kleinen Schule geweht wird, staunt sie nicht schlecht. Denn sie wird sofort von der Rektorin in Empfang genommen und versehentlich als Vertretungslehrerin vor eine Schulklasse gestellt. Da Elsa Honig aber ihre freie Woche hat, nimmt sie diese Herausforderung an und freut sich darauf, einmal den Lehrplan ein wenig nach ihren Vorstellungen umzustricken. Denn wo ist das Fach Glück abgeblieben? Und auch Spaß steht nicht auf dem Stundenplan. Und wie soll man ein Gedicht schreiben, wenn man auf einem Stuhl im Klassenzimmer sitzt?
       

Erster Satz

"Dem Wind war langweilig."


Autorin


"Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft."


Illustratorin


"Joëlle Tourlonias, geboren 1985 in Hanau, hat Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Illustration und Malerei an der Bauhaus Universität Weimar studiert. 2009 machte sie sich selbstständig und zeichnet, malt, lebt und liebt in der Pampa in der Nähe von Frankfurt am Main."


Cover und Titel


Das Cover ist, wie auch die anderen Bände der Frau-Honig-Reihe, in einem schönen Gelbton gehalten. Darauf zu sehen ist Frau Honig, umschwirrt von Bienen und einem Bienenstock sowie einem Koffer in den Händen. Cover und Titel passen sehr gut zum Inhalt. 


Meine Meinung


Frau Honig freut sich auf eine freie Woche, doch dann kommt alles anders als gedacht: Der Wind pustet sie direkt vor den Eingang einer Schule und die Rektorin hält sie fälschlicherweise für die Vertretungslehrerin. Also macht Frau Honig das, was sie am Besten kann: Außerhalb von Konventionen denken und stattdessen die Fantasie fördern. Denn wie sollen Schüler:innen vernünftig lernen, wenn weder Glück noch Spaß auf dem Stundenplan stehen? Und ein Gedicht über den Herbst zu schreiben, während man in einem langweiligen Klassenzimmer sitzt, macht ihrer Meinung nach auch wenig Sinn. Also zeigt sie den Kindern, wie man Spaß haben und gleichzeitig auch noch etwas lernen kann.


„Wenn man glücklich ist, saugt man alles wie ein Schwamm in sich auf. Wenn man aber traurig ist oder wütend oder Angst hat, dann prallt alles Wissen an einem ab!"
pos. 265


Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt flüssig, kindgerecht, fantasievoll und witzig. Perfekt zum Selberlesen, aber auch zum Vorlesen lassen, die Kapitel sind schön kurz und auch insgesamt ist das Buch nicht allzu lang, sodass Kinder, die noch nicht so sicher sind beim Lesen, nicht sofort abgeschreckt werden. Allerdings kommt die magische Welt rund um Frau Honig bei den vorigen, längeren Büchern besser zur Geltung. Das vorliegende Buch ist im Vergleich eher eine Kurzgeschichte.
Die Geschichte selbst ist durchaus pädagogisch wertvoll - es verstecken sich sehr viele wichtige Lebensweisheiten und Messages - ist aber gleichzeitig auch sehr witzig und macht einfach Spaß. Man wünscht sich sofort auch solch eine Lehrerin, die erkennt, wie wichtig und wertvoll Fantasie ist und diese auch fördert anstatt ihre Schüler:innen mit langweiligen Matheaufgaben zu quälen. Gleichzeitig weiß man als Erwachsener natürlich, dass das leider eine Utopie ist, die sich in diesem Umfang niemals erfüllen wird. Die Kritik an unserem Schul- und Bildungssystem ist auf jeden Fall stark herauszulesen - und ist ohne Frage natürlich auch berechtigt, aber ein Unterrichtsstil, wie Frau Honig ihn nutzt, ist auch nicht zielführend. Die Vorstellung ist zwar schön, aber eben leider utopisch. Nichtsdestotrotz kann man vielleicht einige Ansatzpunkte für Veränderungen und Verbesserungen finden, die man sehr wohl umsetzen kann, denn wie so oft ist wohl der Mittelweg der richtige: nicht jeglichen Lehrplan über Bord werfen und nur noch das machen, worauf man Lust hat, aber eben auch nicht nur den Lehrplan durchpeitschen und jegliche Fantasie und Freude am Lernen verlieren. Auf jeden Fall regt das Buch einige Diskussionen an - und sicher auch die ein oder andere mit den eigenen Kindern, die sich darüber beschweren, dass die echte Schule nicht so viel Spaß macht wie die von Frau Honig ...

Die Illustrationen runden die Geschichte perfekt ab. Alles in allem ein schönes Buch über Fantasie, Zusammenarbeit, Miteinander, Spaß, Glück, aber auch ernsteren Themen wie Mobbing, Rassismus und die Schwächen des Bildungssystems. 


„Man kann eine Meinung haben, Moritz, aber das heißt nicht, dass man die für immer und ewig mit sich rumschleppen muss."
pos. 403


Fazit


Schule, wie wir sie uns wohl alle gewünscht hätten. Die Geschichte macht Spaß, ist lustig und enthält viele wichtige Weisheiten. Mir persönlich ist das ganze Schulthema aber stellenweise etwas zu utopisch und die Kritik am Bildungssystem zu übertrieben (Lehrerinnen, die mit Spielzeugpistolen auf Schüler:innen schießen? In Deutschland? Ernsthaft?). Daher 3,5 Herzen, aufgerundet auf 4.



Montag, 18. Dezember 2023

[Books] Stephen King - Holly

 

Stephen King - Holly


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kostenlos von NetGalley und Heyne zur Verfügung gestellt im Gegenzug für eine ehrliche, unbeeinflusste Rezension. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Holly Originaltitel: Holly Autor: Stephen King Übersetzer: Bernhard Kleinschmidt Verlag: Heyne 
Preis: 28,00€ Genre: Thriller, Horror Format: Gebunden Seitenanzahl: 640 
ISBN: 978-3-453-27433-4 Original Erscheinungsdatum: 2023 Deutsches Erscheinungsdatum: 2023 |

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Ähnliche Bücher: Mr Mercedes (Stephen King); Der Outsider (Stephen King)

Privatermittlerin Holly Gibney steckt in einer Lebenskrise, da erhält sie einen Anruf: »Meine Tochter Bonnie ist vor drei Wochen verschwunden, und die Polizei unternimmt nichts.« Ihre Nachforschungen führen Holly zu einer weit zurückreichenden Liste ungelöster Vermisstenfälle. Alle spielen im Umfeld eines inzwischen emeritierten Ernährungswissenschaftlers mit dem Spitznamen »Mr. Meat«. Holly hat schon gegen grausame Gegner bestanden, aber hier begegnet sie dem schlimmsten aller Ungeheuer: dem Menschen in seinem Wahn.
       
Erster Satz


"Es ist eine alte Stadt, die nicht mehr in besonders gutem Zustand ist, was auch für den See gilt, an dem sie erbaut wurde."


Autor


"Stephen King wurde am 21. September 1947 in Portland, Maine, geboren. Er zählt zu den erfolgreichsten Autoren des späten 20. Jahrhunderts. Insgesamt hat der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor über 40 Romane, über 100 Kurzgeschichten, Novellen, Drehbücher, Gedichte, Essays, Kolumnen und Sachbücher veröffentlicht. Ende 2003 erhält Stephen King den »National Book Award« für sein Lebenswerk. Weltweit hat er 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Mit seiner Frau Tabitha lebt er in Bangor, Maine. Stephen King hat eine Tochter und zwei Söhne."


Meine Meinung

Holly leitet die Privatdetektei Finders & Keepers und wird von Penny Dahl engagiert, ihre verschwundene Tochter Bonnie zu suchen. Anfangs klingt es wie ein ganz normaler Fall: Junge Frau kommt nie zuhause an, ist vielleicht freiwillig verschwunden oder wurde möglicherweise entführt. Nichts besonderes also. Doch dann stößt Holly auf immer mehr Vermisste, die allerdings scheinbar rein gar nichts miteinander zu tun haben ... 


„Der Fall hat mich was gelehrt, Gibney. Sobald man meint, man hätte das Schlimmste gesehen, was Menschen zu bieten haben, stellt man fest, dass man sich geirrt hat. Das Böse ist einfach grenzenlos."
S. 620


Der Schreibstil ist so, wie man es von Stephen King gewohnt ist: flüssig zu lesen und sehr ausschweifend :) Gemeinsam mit Holly, die ich auch in den anderen Büchern immer sehr mochte, begibt man sich auf Spurensuche - nur, dass man als Leser:in sehr viel mehr weiß als Holly und ihre Helfer. Denn von Anfang an ist klar, wer hinter den Vermisstenfällen steckt, man weiß, was passiert ist und warum, der Spaß besteht also darin, zu sehen (und daran zu verzweifeln), wie Holly eine Spur findet, sie aber wieder verwirft oder wie die Täter immer vorsichtiger werden, je näher Holly ihnen kommt. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber spannend ist es meiner Meinung nach trotzdem und man kennt diesen Kniff ja auch schon aus ein paar anderen Büchern von King. In der Mitte hat das Buch mal ein paar Längen, aber am Ende nimmt es dann noch einmal richtig an Fahrt auf.


Die Charaktere sind wie immer gut ausgearbeitet und vielschichtig. Holly fand ich hin und wieder etwas anstrengend, aber zum Glück nicht zu sehr. Etwas anstrengend war hingegen der ständige Covid-Bezug. Ich kann King voll und ganz nachvollziehen, dass er die Pandemie nicht einfach aussparen wollte, immerhin hat sie für ganz schön lange Zeit unser aller Leben beherrscht, und ich bin auf ganzer Linie einer Meinung mit dem Autor was Impfungen, Corona, Trump, Rassismus und ähnliches anbelangt, aber die prinzipielle Einteilung von Nicht-Geimpft = Böse und Geimpft = Gut fand ich dann doch etwas zu einfach. Hier wäre ein bisschen weniger dann doch mehr gewesen. Allerdings muss man auch ganz klar sagen, dass Stephen King noch nie unpolitisch war, in jedem seiner Werke finden sich mehr als nur Andeutungen, er hat seine Meinungen und Positionen immer ganz klar vertreten, sowohl im echten Leben als auch in seinen Büchern (und nein, nicht nur in den neuen!). Daher ist es wohl nur konsequent, dass er das auch in "Holly" getan hat, wen auch für meinen Geschmack etwas zu ausführlich. Wer keine politischen Standpunkte hören will, sollte keinen Stephen King lesen. 

Ein nicht ganz so typischer Stephen King, der dann aber irgendwie doch wieder typisch ist. Eine spannende, interessante Geschichte über die Abgründe der Menschheit, das Älterwerden und das absolute Grauen. 


Fazit


Nicht Kings bester Thriller, aber auch nicht sein schlechtester. Der ständige Corona-Bezug ist stellenweise etwas too much, aber man hätte sich auch denken können, dass Stephen King da nicht mit seiner Meinung hinterm Berg hält - wer ihn kennt, kennt seinen Standpunkt. Ein paar Längen hat die Story, aber alles in allem ein solider Thriller.



[Books] Casey McQuiston - I Kissed Shara Wheeler

 

Casey McQuiston - I Kissed Shara Wheeler


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kostenlos von NetGalley und Knaur zur Verfügung gestellt im Gegenzug für eine ehrliche, unbeeinflusste Rezension. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: I Kissed Shara Wheeler Originaltitel: I Kissed Shara Wheeler Autorin: Casey McQuiston Übersetzerinnen: Hannah Brosch & Kristina Koblischke Verlag: Knaur 
Preis: 9,99€ Genre: Young Adult, LGBTQ, Romance Format: eBook Seitenanzahl: 400 
ISBN: 978-3-426-52931-7 Original Erscheinungsdatum: 2022 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

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Ähnliche Bücher: Royal Blue (Casey McQuiston)


Chloe Green ist fast am Ziel: Bald hat die queere Schülerin die Highschool in der engstirnigen Kleinstadt in Alabama endlich hinter sich. Und zwar als Jahrgangsbeste! Wenn ihr nicht Ballkönigin Shara Wheeler, die rundum perfekte Tochter des Schuldirektors, noch einen Strich durch die Rechnung macht … Doch mit einem einzigen Kuss bringt Shara Chloes Welt ins Wanken – nur, um anschließend wie vom Erdboden verschluckt zu verschwinden. Statt Antworten findet Chloe lediglich kryptische Nachrichten von Shara, die sie auf eine atemlose Suche schicken. Als Chloe Sharas Geheimnissen auf die Spur kommt, beginnt sie zu ahnen, dass hinter dieser kleinen Stadt mehr stecken könnte, als sie dachte. Und vielleicht auch hinter Shara?


Erster Satz

"Chloe Green ist kurz davor, mit der Faust ein Fenster einzuschlagen."


Autorin


"Casey McQuiston wuchs im südlichen Teil Louisianas auf und entwickelte dort eine bis heute anhaltende Vorliebe für Biscuits und Geschichten mit viel Herz. Nach einem Journalismus-Studium arbeitete Casey McQuiston jahrelang in der Zeitschriftenbranche und fand schließlich zum Bücherschreiben. Daraus hervorgegangen sind fröhliche unkonventionelle romantische Komödien und Geschichten, mit denen man herrlich dem Alltag entfliehen kann. Casey lebt und arbeitet – immer begleitet von Pudel-Mix Pepper – in New York."


Meine Meinung


Chloe Green kann es kaum abwarten, ihren Abschluss zu machen - als Jahrgangsbeste, versteht sich. Denn dann kann sie die engstirnige, überaus religiöse Kleinstadt in Alabama endlich hinter sich lassen! Als queere Schülerin hat sie es hier nämlich nicht gerade leicht und dann gibt es da auch noch Shara Wheeler, die rundum perfekte Tochter des Direktors, die ebenso um den Rang als Jahrgangsbeste kämpft. Was dann passiert, hätte Chloe jedoch nie erwartet: Shara küsst sie und verschwindet dann wie vom Erdboden verschluckt. Und nicht nur sie, sondern auch Smith und Rory bekommen kryptische Nachrichten von Shara, die sie gemeinsam auf eine Schnitzeljagd schicken ...


„Die meisten in meinem Umfeld tun so, als wüssten sie genau, wer und was sie sind, als gäbe es nur eine Antwort, aber für mich ist das so, als würde man einen Anfang und ein Ende an etwas setzen, das keines von beidem haben sollte."
pos. 2778


Achtung, diese Rezension enthält Spoiler!

Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, denn ich finde es unglaublich wichtig, dass queere Bücher überall präsent sind. Und wie die Autorin es in der Danksagung selbst sagt: "Auch du [hast] alberne, übertriebene romantische Highschool-Komödien über Teenager wie dich verdient, genau wie die Heteros! Lass dir von niemandem was anderes einreden!". Doch so sehr ich das Buch auch mögen wollte, es hat es mir leider nicht sonderlich einfach gemacht. 

Der Schreibstil der Autorin war für meinen Geschmack etwas holprig. Die Sätze sind teilweise sehr lang und sehr verquirlt, die Sprache ist manchmal etwas übertrieben, was hin und wieder Spaß macht, aber oft auch sehr anstrengend ist. Es wirkt ein bisschen so, als würde die Autorin zwanghaft versuchen, unbedingt die ganze Zeit witzig zu sein, das hätte die Story aber gar nicht nötig gehabt. 

Auch die Story selbst konnte mich nicht komplett abholen. Sie ist leider etwas langatmig und der Spannungsbogen ist sehr flach. Irgendwie hatte ich erwartet, dass die Sache mit Shara länger ein Mysterium bleibt. Also dass, abgesehen von der Frage, wo sie ist, man auch miträtseln kann, was wohl passiert ist, und ob die Nachrichten von Shara wirklich von ihr sind oder möglicherweise nur eine falsche Fährte? Was, wenn etwas schlimmeres mit ihr passiert ist? Und wenn sie doch noch am Leben ist: was für einen schwerwiegenden Grund könnte sie haben, einfach so zu verschwinden? Also irgendwie hatte ich jedenfalls etwas mehr Suspense erwartet. Doch eigentlich war von Anfang an klar: Shara geht es gut, sie ist halt nur einfach weg. Auch die Auflösung der Schnitzeljagd empfand ich als sehr flach und einfach irgendwie zu wenig für all den Aufwand. Da macht Shara so einen riesen Wirbel nur dafür? Und Chloe macht auch noch mit, obwohl sie Shara partout nicht ausstehen kann? Warum sucht Chloe Shara überhaupt? Was ist ihr Antrieb? Warum verplempert sie so viel Zeit damit? (Am Anfang okay, da kann ich es noch nachvollziehen, aber spätestens wenn sie weiß, dass es Shara gut geht und sie freiwillig (!) verschwunden ist, hätte ich persönlich aufgehört zu suchen). Aber nein, sie klammert sich weiter an die Suche - sogar mehr als Smith, der immerhin Sharas fester Freund war - und vernachlässigt dabei nicht nur ihre Freund:innen, sondern auch ihre Familie und die Schule. Hier konnte ich ihre Beweggründe einfach Null nachvollziehen. 


„Denkst du, Liebe bedeutet, dass andere ihr ganz Leben nach deinen Wünschen gestalten?"
pos. 3659


Die Charaktere fand ich ebenfalls eher anstrengend. Shara und Chloe sind beide enorm oberflächlich, nervig, überheblich und manipulativ. Ihre Beziehung ist für mich eher toxisch als "herrlich romantisch", wie es beworben wird. Chloe ist so egozentrisch und versessen auf die Suche nach Shara, dass sie ihre echten Freund:innen komplett vergisst und vernachlässigt. Und wenn ich "komplett" sage, dann meine ich "komplett"! 
Smith und Rory hingegen sind total süß, sie machen eine tolle Entwicklung durch und ich habe sie wirklich ins Herz geschlossen. Auch die anderen Nebenfiguren punkten und sind sehr viel sympathischer und nahbarer als die beiden Protagonistinnen. Insgesamt ist es einfach toll, welch hohe Dichte an queeren Charakteren es in diesem Buch gibt, das ist wirklich ein großer Pluspunkt!


„Wer du hier bist, muss nicht dieselbe Person sein, die du dort draußen bist. Und wenn die Person, die du glaubst, in dieser Stadt sein zu müssen, sich für dich nicht richtig anfühlt, dann darfst du weggehen. Es darf dich geben. Selbst wenn es bedeutet, dass es dich woanders gibt."
pos. 4424


Fazit


Alles in allem leider kein Buch für mich und nicht das, was ich erwartet habe. Smith und Rory und die vielen queeren Charaktere sind ein Highlight, aber die beiden Protagonistinnen waren mir leider sehr unsympathisch, außerdem fand ich den Spannungsbogen zu flach und die Story zu langatmig. Ich war mir wirklich sicher, dass ich das Buch lieben würde, aber leider war es nicht so. Wie immer ist das aber nur meine subjektive Meinung und ich freue mich über jeden, der das Buch toll fand!


[Books] Dully & Dax - Jeppe & Oswald (1) Ein Wichtel zieht ein

[Books] Dully & Dax - Jeppe & Oswald (1) Ein Wichtel zieht ein

*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kostenlos von NetGalley und Oetinger zur Verfügung gestellt im Gegenzug für eine ehrliche, unbeeinflusste Rezension. Vielen Dank! 



Über das Buch


Titel: Jeppe & Oswald - Ein Wichtel zieht ein Autorin: Eva Dax Illustratorin: Sabine Dully Verlag: Oetinger Ellermann 
Reihe: Jeppe & Oswald, Teil 1/2 |
Preis: 9,99€ Genre: Kinderbuch Format: eBook Seitenanzahl: 128 
ISBN: 978-3-7707-0021-9 Original Erscheinungsdatum: 2018 

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Frisch von der Wichtelschule darf Wichtel Jeppe endlich sein erstes Menschenhaus betreuen. Pech allerdings, dass dort schon Hamster Oswald wohnt, der Jeppe das Hauswichtel-Leben ganz schön schwer macht. Wann auch immer Jeppe in dem baufälligen Holzhaus etwas reparieren oder verschönern möchte, stiftet Hamster Oswald garantiert Chaos. Als ihr Zuhause jedoch in Gefahr gerät, merken die beiden, dass sie nicht nur zusammenhalten müssen, und sich eigentlich sogar sehr gern haben.
       

Erster Satz


"Hoch oben, im Norden, da, wo die Tage im Sommer endlos lang sind, wo die Häuser bunter sind als irgendwo sonst auf der Welt und wo große Seen nur darauf warten, dass jemand hineinhüpft - genau da sind die Wichtel zu Hause."


Autorin


"Eva Dax ist im Münsterland aufgewachsen, studierte Literaturwissenschaften in Essen und arbeitete nebenher als freie Journalistin für verschiedene Print-, TV- und Radio-Redaktionen. Heute ist sie Redakteurin beim Rundfunk und lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Köln. Dort traf sie auch Sabine Dully, die wie sie eine Vorliebe für schräge Geschichten und schrullige Figuren hat (aber viel besser zeichnen kann!). 2014 gründeten die beiden das Kinderbuch-Team „Dully&Dax“."


Illustratorin


"Sabine Dully stammt gebürtig aus der Pfalz und studierte Kommunikationsdesign an der FH Trier. Nach dem Studium arbeitete sie sowohl freiberuflich für unterschiedliche Agenturen und Studios in Deutschland als auch an eigenen Kurzfilmen. Seit 2007 ist sie als Art Director bei einer Designagentur tätig und realisiert dabei viele Projekte für das deutsche Kinderfernsehen. Sie lebt mit ihrem Mann in Köln. Und dort traf sie auf Eva Dax, die wie sie eine Vorliebe für schrullige Figuren und schräge Geschichten hat, (aber viel besser schreiben kann!). 2014 gründeten die beiden das Kinderbuch-Team „Dully&Dax“."


Cover und Titel


Das rote Cover zeigt eine der wundervollen Illustrationen von Sabine Dully. Darauf zu sehen ist der Wichtel Jeppe und der Hamster Oswald zusammen mit einer kleinen, aber feinen Auswahl aus Oswalds Sammelsurium: Knöpfe, Schrauben, Schlüssel, Nadeln, eine Gabel und vieles mehr. Das Cover macht sofort Lust auf mehr und passt, ebenso wie der Titel, hervorragend zum Inhalt. 


Meine Meinung


Jeppe ist nicht gerade der beste Schüler an der Wichtelschule. Er hat es nicht so mit dem Auswendiglernen und der Theorie und all den vielen Büchern - viel lieber packt er mit an, baut neue Sachen und hämmert drauf los. Doch wenn er die Wichtelprüfung nicht besteht, darf er kein Hauswichtel werden! Sein Lehrer teilt ihm ein besonders heruntergekommenes Menschenhaus zu: Jeppe muss dafür sorgen, dass dieses Haus wichtelig wird und dann auch noch die Theorieprüfung bestehen, erst dann darf er ein Hauswichtel sein. In seinem neuen Haus entdeckt Jeppe dann eine äußerst unangenehme Überraschung: hier wohnt der Hamster Oswald und der hat so überhaupt keine Lust auf einen Wichtel! Oder auf Veränderung! Oder auf überhaupt irgendetwas. Sie kommen sich ständig in die Quere - doch dann gerät ihr Zuhause in Gefahr und sie müssen zusammenarbeiten, um es zu retten. Und vielleicht ist so ein Haus mit einem Wichtel und einem Hamster doch gar nicht so schlecht? 


„Ein wichteliges Haus ist ein Zuhause - und nicht nur ein Haus!"
pos. 73


Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, leicht, lustig und sehr kindgerecht. Die Geschichte ist mit so viel Herzlichkeit, Witz, Fantasie und Charme geschrieben, dass man gar nicht möchtet, dass sie endet. Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt und auch darum, dass jeder anders ist. Denn Jeppe ist hilfsbereit, optimistisch, herzensgut, tatkräftig und clever, sodass man ihn sofort ins Herz schließt. Oswald hingegen ist mürrisch, griesgrämig, manchmal etwas gemein, hat aber unter der harten Schale einen ganz weichen Kern und ein sehr großes Herz - fast so groß wie seine Hamsterbacken. Außerdem bringt er die Leser:innen regelmäßig zum Lachen mit seinen Streichen. Ein besonderes Highlight des Buches sind natürlich die zauberhaften Illustrationen, bei denen sofort die unglaubliche Detailverliebtheit ins Auge springt. Einfach nur wunderschön! Zusammen mit der spannenden, humorvollen Geschichte ein absolutes Highlight - nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über. Und jetzt würde ich gerne wissen, wann mein Hauswichtel und Haushamster bei mir einziehen? Ich hätte wirklich gerne so ein lustiges und süßes Duo um mich :)    
 

„Hamster müssen hamstern. Das liegt auf der Hand. Wozu hätten wir sonst solche großen Hamsterbacken..."
pos. 863


Fazit


Geschichte und Illustrationen vereint ergeben ein lustiges, charmantes Kinderbuch mit ganz viel Herz, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Ein absolutes Muss - nicht nur an Weihnachten!



Dienstag, 14. November 2023

[Books] Martina Baumbach - Die Tierwandler (1) Unser Lehrer ist ein Elch

 

[Books] Martina Baumbach: Die Tierwandler (1) Unser Lehrer ist ein Elch



*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kostenlos von NetGalley und Thienemann zur Verfügung gestellt im Gegenzug für eine ehrliche, unbeeinflusste Rezension. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Die Tierwandler - Unser Lehrer ist ein Elch Autorin: Martina Baumbach Illustratorin: Imke Sönnichsen Verlag: Thienemann 
Reihe: Die Tierwandler, Teil 1/x |
Preis: 8,99€ Genre: Kinder, Abenteuer Format: eBook Seitenanzahl: 192 
ISBN: 978-3-522-18538-7 Original Erscheinungsdatum: 2021 

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Ähnliche Bücher: Die Schule der magischen Tiere (Margit Auer)

Merle und Finn sind baff: Sie werden vom Zwergschwein des neuen Lehrers für eine besondere Sport-AG ausgewählt! Das allein wäre schon merkwürdig genug, doch dann verrät ihnen Herr Olsson in der 7. Stunde die eigentliche Sensation: Sie sind Tierwandler und können sich in Tiere verwandeln! Jedes Kind lernt nun, in seiner Tiergestalt – bei Merle ist es eine Eule, bei Finn ein Wiesel – unterwegs zu sein. Doch plötzlich passieren in der Schule merkwürdige Dinge, die ausgerechnet Herrn Olsson zur Last gelegt werden. Das können die Kinder nicht zulassen und das erste Abenteuer für die Tierwandler beginnt!
       

Erster Satz

"Uhuuu!"


Autorin


"Martina Baumbach wurde 1969 geboren. Mit ihrer Familie lebt sie in München.  Für ihr Erstlingswerk bekam sie das Literaturstipendium der Stadt München, für »Die Tierwandler - Unser Lehrer ist ein Elch« wurde sie in der Kategorie 6-10 Jahre mit dem Leipziger Lesekompass 2021 ausgezeichnet."


Illustratorin


"Imke Sönnichsen wurde 1970 in einem kleinen Ort in Nordfriesland geboren. Nach dem Abitur studierte sie in London Kunstgeschichte, danach Illustration in Mainz. Mit ihrer Familie lebt sie in Aachen."


Cover und Titel


Das Cover zeigt eine süße Illustration, in deren Zentrum der Schatten eines Elches zu sehen ist, davor zwei Kinder - Merle und Finn - mit einem Schweinchen. Oben sieht man die Schule und den Bauwagen, in dem Herr Olsson wohnt. Das Cover ist farbenfroh, schön gezeichnet und zeigt einem sofort, was für Illustrationen einen im Inneren erwarten. Cover wie auch Titel passen hervorragend zum Inhalt des Buches. 


Meine Meinung


Das neue Schuljahr an der Bärenfeldschule hat begonnen und Merle wird ausgerechnet der AG "Sport für besondere Talente" zugeteilt - dabei hat sie mit Sport wirklich so überhaupt nichts am Hut! Und dann ist auch noch Finn, der neue Mitschüler, mit dem sie sich nicht sonderlich gut versteht, mit von der Partie. Doch schnell stellt sich heraus, dass dieses Schuljahr anders werden wird als je zuvor: denn ihr Lehrer Herr Olsson, der die AG leitet, hat nicht nur ein süßes Zwergschwein, das ihm kaum von der Seite weicht, er ist auch noch ein Tierwandler! Schwupps kann er sich in einen stattlichen Elch verwandeln. Und damit nicht genug, den jeder Schüler und jede Schülerin der AG kann das ebenfalls, sie müssen nur noch herausfinden, was für ein Tier sie sind ... Und das ist gar nicht so einfach, vor allem nicht, wenn der Hausmeister und andere Lehrer:innen ihnen hinterherspionieren - und niemand das Geheimnis jemals erfahren darf!


„Das neue Schuljahr wird etwas ganz Besonders."
pos. 23


Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und kindgerecht, die Geschichte abwechslungsreich und mit einer gehörigen Portion Witz, Spannung, Charme und Überraschungen. Die Charaktere sind abwechslungsreich, besonders Herr Olsson, Direktorin Bockelmann und natürlich Merle und Finn können überzeugen. Einfach rundum ein Buch, das Spaß macht und das man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Fantasie der Kinder wird angeregt, weil sie sich automatisch fragen, was sie wohl für ein Tier wären und man fiebert mit den Kids der Geschichte mit, ob sie es wohl schaffen, ihr Geheimnis zu bewahren. Und sowohl Kinder als auch Erwachsene wünschen sich, dass der eigene Lehrer auch ein Elch ist bzw. gewesen wäre. Das hätte die Schulzeit definitiv spannender gemacht! 

Besonders hervorzuheben sind natürlich auch die tollen Illustrationen von Imke Sönnichsen, die die Story hervorragend unterstreichen und das besondere Etwas liefern!

Fazit


Eine rundum gelungene Geschichte mit Witz und Spannung, die Mädchen und Jungs gleichermaßen in den Bann zieht. 



Sonntag, 5. November 2023

[Books] Lisa Roy - Keine gute Geschichte

 

[Books] Lisa Roy - Keine gute Geschichte



*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kostenlos von NetGalley und Rowohlt zur Verfügung gestellt im Gegenzug für eine ehrliche, unbeeinflusste Rezension. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Keine gute Geschichte | Autorin: Lisa Roy Verlag: Rowohlt 
Preis: 7,99€ Genre: Gesellschaftsroman Format: eBook Seitenanzahl: 240 
ISBN: 978-3-498-00345-6 Original Erscheinungsdatum: 2023 

Hier kaufen als BucheBook oder Hörbuch


Ähnliche Bücher: 

Arielle Freytag, Anfang dreißig, hat es eigentlich geschafft: Aufgewachsen im Essener Stadtteil Katernberg, verdient sie als Social-Media-Managerin in Düsseldorf mittlerweile viel Geld. Bis eine Depression sie aus der Bahn wirft und für eine Weile in die «Klapse» bringt. Kaum wieder zu Hause, erreicht Arielle ein Anruf aus Katernberg, und zum ersten Mal nach zwölf Jahren kehrt sie an den Ort ihrer Jugend zurück. Dort werden seit ein paar Tagen zwei Mädchen vermisst – was Arielle mit Wucht an ihre Mutter erinnert, die vor vierundzwanzig Jahren spurlos verschwand. Damals blieb Arielle allein bei ihrer eigenwilligen Großmutter zurück. Wer ihr Vater ist, weiß sie nicht, auch ihr dunkles, lockiges Haar und die Hautfarbe sind nur ein vager Hinweis: italienisch, türkisch, kroatisch? Während in Katernberg fieberhaft nach den Mädchen gesucht wird, stellt Arielle sich den schmerzhaften Fragen, auf die sie immer dringender Antworten braucht.  Hat ihre Mutter sie verlassen, oder ging sie nicht freiwillig?
       

Erster Satz


"Das ist keine gute Geschichte."


Autorin


"Lisa Roy wurde 1990 in Leipzig geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Sie studierte in Dortmund und Köln und veröffentlichte in verschiedenen Literaturzeitschriften und Anthologien. Für die Arbeit an ihrem ersten Roman Keine gute Geschichte erhielt sie 2021 das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln und den GWK-Förderpreis Literatur. Lisa Roy lebt mit ihrer Familie in Köln."


Meine Meinung


Arielle Freytag ist Anfang 30, Social-Media-Managerin mit gutem Einkommen und glamourösem Leben - wären da nicht ihre Depressionen und ihre Kindheit, die sie immer wieder belasten. Nachdem sie aus der Klinik entlassen wurde, geht sie zurück in ihre Heimat, zu ihrer Großmutter, der es immer schlechter geht. Die beiden kamen nie sonderlich gut miteinander aus, Arielle, die von ihrer Großmutter großgezogen wurde, nachdem ihre Mutter spurlos verschwand, hat sich nie geliebt gefühlt. Gleichzeitig verschwinden zwei Mädchen aus dem Kiez und Arielle fühlt sich an ihre eigene Mutter erinnert. Was ist mit ihr geschehen? Ging sie freiwillig, ist sie einfach abgehauen und hat sie zurückgelassen? Oder ist ihr etwas zugestoßen? 


„Wir sind ein total reiches Land voller depressiver Menschen."
pos. 1437


Dieses Buch hat ganz schön viele schwere Themen - wortwörtlich schwerwiegende Kost. Umso mehr frage ich mich, warum zur Hölle nirgends eine Triggerwarnung / eine Content Note zu finden ist? Das wäre hier wirklich mehr als angebracht gewesen ... Wir lesen von Depressionen, Kindesentführung, Kindesmissbrauch, sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung, sexueller Gewalt, Rassismus, Selbstmord, Drogenmissbrauch, Alkoholismus, Essstörung und vielem mehr. 

Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Arielle erzählt. Das fiel mir ziemlich schwer, weil ich mit Arielle einfach nicht warm wurde. Sie ist mir viel zu egoistisch, unglaublich empathielos, zynisch, unfreundlich, überheblich und geradezu kalt. Ich kann mich einfach nicht in eine Person einfühlen, die den Vater eines der verschwundenen Mädchens angräbt und sein "Nein" nicht akzeptiert und antwortet: "Es ist nie zu beschissen für S*x.". Sie empfindet keinerlei Mitgefühl und glaubt scheinbar, dass nur sie selbst das Recht hat, zu leiden. Die Erzählweise ist zudem ziemlich vulgär, was einerseits auf jeden Fall eine Besonderheit des Buches ist, aber mir gleichzeitig auch schwer fiel zu lesen. Die Charaktere sind allesamt stark überzeichnet dargestellt und dementsprechend auch sehr klischeehaft, eindimensional und oberflächlich. Die - durchaus wichtigen - Themen werden dadurch auch irgendwie etwas karikiert und finden nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätten. Da auch noch so viele unterschiedliche aufeinander treffen - und dann noch in Kombination mit der unzugänglichen Protagonistin - bleiben viele Themen emotional unzugänglich, blass und zu schnell abgehandelt. Ich fand es auch problematisch, dass Arielles Verhalten irgendwie auf ihre psychische Erkrankung zurückgeführt wird - Depressionen machen einen im Normalfall aber nicht zu einem empathielosen Vollidioten. Und anstatt ihre Vergangenheit vernünftig aufzuarbeiten und ihr Verhalten zu überdenken, macht sie einfach so weiter und sucht bei allen anderen die Schuld, außer bei sich selbst. 
Das Ende ist dann sehr offen, was für mich in diesem Fall unvollendet wirkt. Es bleiben einfach zu viele Fragen offen und die Art und Weise, wie alles zusammenhängt, fand ich etwas an den Haaren herbeigezogen. Ich meine: Wieso? Weshalb? Warum? Und ein ganz großes: WHAT THE FUCK? Am Ende des Romans saß ich sehr lange einfach nur da und habe mich gefragt, was zur Hölle ich da jetzt eigentlich gelesen habe... 


„Man hat Verantwortung sich selbst gegenüber, und dazu gehört auch, Geschenke anzunehmen und nicht alles Gesunde von sich zu stoßen."
pos. 2711


Fazit


Ein Melodram mit unglaublich vielen wichtigen, schweren Themen, denen aber allesamt nicht genügend Raum gegeben wird. Dadurch wirkt der Roman sehr überfrachtet und reichlich dick aufgetragen. Mit der Protagonistin konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden, da sie äußerst egoistisch und unfreundlich ist. Etwas weniger "hauptsache es schockt" hätte dem Roman gut getan, dann hätte man sich auf ein paar wichtige Themen konzentrieren können anstatt alle nur oberflächlich abzuhandeln. Für mich war "Keine gute Geschichte" leider wirklich keine gute Geschichte. 



Samstag, 14. Oktober 2023

[Books] Hayley Morris - Hirn gegen Hayley: Leidfaden von einer, die sich zu viele Gedanken macht

 

[Books] Hayley Morris - Hirn gegen Hayley: Leidfaden von einer, die sich zu viele Gedanken macht


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kostenlos von Heyne zur Verfügung gestellt im Gegenzug für eine ehrliche, unbeeinflusste Rezension. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Hirn gegen Hayley: Leidfaden von einer, die sich zu viele Gedanken macht Originaltitel: Me vs. Brain Autorin: Hayley Morris Übersetzerinnen: Constanze Wehnes und Lina Robertz Verlag: Heyne 
Preis: 16,00€ Genre: Humor, Autobiografie Format: Klappenbroschur Seitenanzahl: 304 
ISBN: 978-3-453-60674-6 Original Erscheinungsdatum: 2023 Deutsches Erscheinungsdatum: 2023 |

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Jeder kennt sie. Diese unerwünschte Stimme im Hinterkopf, die sich immer dann einmischt, wenn man sie am wenigsten braucht. Auch Hayley Morris hört diese Stimme im Kopf und hat sich lange gefragt, wer es eigentlich ist, der ihr da so nervig dazwischenfunkt. Inzwischen ist ihr klar: Es ist ihr Gehirn, das wie ein unkündbarer Mitbewohner in ihrem Kopf haust und ihr keinen Frieden gönnt. In Hirn gegen Hayley zeigt Hayley Morris auf ihre unnachahmlich charmante Art, dass es normal ist, sich zu viele Gedanken zu machen, dass man nicht seltsam ist, nur weil man eine belanglose Peinlichkeit noch Wochen später im Kopf wälzt, und dass es okay ist, manchmal vor lauter aufdringlichen Gedanken wie gelähmt zu sein, auch wenn man sich dabei oft merkwürdig fühlt.
       

Erster Satz


"Gegen ein feines kleines Drama hatte ich noch nie etwas einzuwenden."


Autorin


"Hayley Georgia Morris, geboren 1993, ist eine britische Social-Media-Influencerin, Autorin und TikTok-Sensation. Vom Lockdown während der Corona-Pandemie gelangweilt, begann sie im Januar 2021 humorvolle und vollkommen tabulose Kurzvideos auf verschiedenen Social-Media-Plattformen zu teilen, und hatte damit schnell Riesenerfolg. Mehr als 7 Millionen Menschen folgen ihr inzwischen auf ihren Kanälen, was sie zu einer der größten Digital-First-Komikerinnen überhaupt macht. Für ihre Videos wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2021 von Blogosphere als »TikToker of the Year« und 2022 als »Sunday Times Face to know«. 2023 veröffentlichte sie mit Hirn gegen Hayley (Me vs. Brain) ihr erstes Buch. Morris lebt auf der Isle of Wight an der Südküste Englands."


Meine Meinung


Ich folge Hayley schon eine ganze Weile auf Instagram und TikTok - ich kann ihre Reels liken, bevor ich sie überhaupt gesehen habe, denn ich weiß, dass ich sie lieben werde! Ob sie diesen Humor wirklich in ein Buch übertragen kann? Ich war ehrlich gesagt etwas skeptisch, aber - Spoileralarm - es hat sich gelohnt! 


„Tu, was immer du willst. Wenn andere Leute dich komisch finden - na und? Wenn es dir Spaß macht, dann tu´s."
S. 298


Der Schreibstil von Hayley ist wie ihre Videos: locker, leicht und unglaublich lustig. Ich hatte beim Lesen immer ihre Characters vor Augen, was das Leseerlebnis perfekt ergänzt hat. Ich würde also auf jeden Fall empfehlen, vor dem Buch auf Hayleys Instagram- oder TikTok-Kanal vorbeizuschauen ;) 


„Vollkommen zufrieden sind wir doch alle nicht mit unseren Körpern. Ganz egal, wie du aussiehst, wie groß oder klein du bist, Hirn wird immer, immer einen Makel finden. Vielleicht sollten wir also nicht ganz so viel auf ihre Meinung geben."
S. 197


Die Themen sind sehr vielfältig und natürlich haben (fast) alle von Hayleys Characters einen Gastauftritt - den größten natürlich Hirn, die genau genommen selbst eine Protagonistin ist. Aber Uterus, Vagina & Co. dürfen natürlich auch nicht fehlen! Ansonsten geht es um Pubertät, die Periode, Sex, Mental Health, Beziehungen, Trennungen, Kinderwunsch, Hormone, Trauer und vieles, vieles mehr. Manches macht vor allem Spaß zum lesen, anderes ist deutlich tiefgehender, wie zum Beispiel das Kapitel über Hayleys Trauer, das mich ebenfalls sehr traurig und auch nachdenklich gemacht hat. 
Alles in allem sind die Szenen jedenfalls großartig geschrieben, ich musste sehr oft sehr laut lachen und habe mich bei vielem unglaublich verstanden gefühlt. Als Vieldenkerin kam mir einiges sehr bekannt vor und ich hatte, wie schon bei ihren Videos, immer wieder den Gedanken: "Oh, es geht ja nicht nur mir so! Ich bin nicht seltsam, bin kein Alien - wir sind viele!". Bei manchen der Geschichten war ich aber auch sehr froh, dass mir so etwas noch nie passiert ist, es gehört auf jeden Fall eine ordentliche Portion Mut dazu, so offen und ehrlich die peinlichsten Erlebnisse zu erzählen! 
Was man jedoch nicht von dem Buch erwarten darf, ist konkrete Hilfe. "Hirn gegen Hayley" ist kein Ratgeber, kein Selbsthilfebuch, auch wenn es mir persönlich stellenweise geholfen hat, mir über manche Sachen klar zu werden. Ihr werdet hier keine Tipps und Tricks finden, wie man Hirn stumm oder zumindest leiser stellt, das ist nicht der Anspruch der Autorin und dafür hätte sie auch nicht die fachliche Kompetenz. Um besser mit den Hirn-Marotten klarzukommen, bietet sich eine Therapie an, wie auch Hayley klar kommuniziert. Aber auch damit wird man Hirn nicht los, denn sie gehört zu uns und wir können sie - beziehungsweise uns selbst - nicht von Grund auf ändern. Aber wir können lernen, besser miteinander umzugehen.   

Fazit


Ein tolles, humorvolles Buch voller Selbstironie für alle Vieldenker:innen! 



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