Sonntag, 18. September 2022

[Books] Barbara Vorsamer - Mein schmerzhaft schönes Trotzdem

 

Cover Barbara Vorsamer - Mein schmerzhaft schönes Trotzdem



*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von NetGalley und dtv zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 

Triggerwarnung: Depression, Tod, Suizid, Fehlgeburt, Essstörungen


Über das Buch


Titel: Mein schmerzhaft schönes Trotzdem Autorin: Barbara Vorsamer Verlag: dtv 
Preis: 14,99€ Genre: Depression, Ratgeber, Sachbuch Format: eBook Seitenanzahl: 224 
ISBN: 978-3-423-29005-0 Original Erscheinungsdatum: 2022 |

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Ähnliche Bücher: Depression abzugeben (Uwe Hauck); Morgen ist leider auch noch ein Tag (Tobi Katze); Die beste Depression der Welt (Helene Bockhorst)

Barbara Vorsamer weiß, wie es sich anfühlt, wenn morgens ein Elefant mitten auf ihrer Brust sitzt. Dann reicht ihre Kraft nicht einmal, um sich im Bett umzudrehen. Dann nimmt das Gefühl der Wertlosigkeit überhand und irgendwann bleibt als Ausweg nur noch die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie. Es war ein schmerzhafter Prozess, es brauchte Therapien und Klinikaufenthalte, bis Barbara Vorsamer lernte, Gefühle nicht länger zu unterdrücken, sondern sie in ihrer Ambiguität zuzulassen. Intensiv, berührend schreibt Vorsamer über das Versinken in tiefdunkler Depression, über Schmerzen und Trauer. Es sind persönliche Fragen, die weit über das Private hinausweisen. Denn wir müssen auch als Gesellschaft mal darüber reden, wie es uns geht.

Erster Satz

"Ich wollte schon immer gerne einen Ratgeber darüber schreiben, wie man Migräne und Depressionen loswird. Oder wenigstens einen lesen."


Autorin


"Barbara Vorsamer, geboren 1981, ist Redakteurin im Gesellschaftsteil der ›Süddeutschen Zeitung‹. Ihre Texte wurden mehrfach für Preise nominiert und ausgezeichnet. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in München. Seit vielen Jahren leidet sie an Depressionen. Mittlerweile weiß sie, wie man weiterlebt mit chronischen Schmerzen, mit der Depression. Trotz der Depression. Und obwohl es ihr immer mal wieder so mies geht, dass sie sich gar nicht vorstellen kann, jemals wieder irgendetwas zu tun."


Cover und Titel


Auf dem Cover ist eine gezeichnete Frau zu sehen, deren Kopf in einer dunklen, blauen Wolke feststeckt. Es ist schön anzusehen, gleichzeitig kann man auch erahnen, was die Autorin und der Verlag damit ausdrücken wollen. Der Titel "Mein schmerzhaft schönes Trotzdem" wird im Buch wieder aufgegriffen und bekommt dadurch eine tolle Bedeutung. Sowohl Cover als auch Titel passen also hervorragend zum Inhalt des Buches.


Meine Meinung


Barbara Vorsamer erzählt in diesem Buch ihre Geschichte: ihr Leben, ihre Migräne, ihre Depression, von Suizidgedanken, Tod und Schmerz. Schonungslos gibt sie uns einen Einblick, welche Auswirkungen die Depression auf ihr Leben, ihre Familie und ihre Freunde hat - und wie schwer es Betroffenen nach wie vor gemacht wird. 


"Wie fühlen sich Depressionen an? Menschen, die ich nicht erschrecken will (meine Kinder zum Beispiel), würde ich so etwas sagen wie: Ich bin dann sehr traurig und kann nicht aufstehen. Das trifft es aber nicht ganz. Wer traurig ist, weil die Oma oder das geliebte Meerschweinchen gestorben ist, der fühlt etwas, einen ganz, ganz starken Schmerz in der Brust. Wenn ich depressiv bin, fühle ich mich zwar so ähnlich. Ich bin mir aber gleichzeitig sicher, dass dieser Schmerz nie mehr weggehen wird und dass ich dieses Gefühl verdient habe. Das ist kaum auszuhalten, weswegen meine Seele zwischendurch immer wieder ganz zumacht. Dann fühle ich diesen Schmerz nicht mehr. Aber auch sonst nichts mehr. Als wäre ich inne drin schon tot, so tot wie ich es, wenn ich mir erlaube, etwas zu fühlen, wirklich sein will."
pos. 262


Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen, man hat eher das Gefühl, mit ihr zu plaudern. Man merkt auch sofort, dass die Autorin hier nicht einfach nur irgendetwas abschreibt, was sie in Fachbüchern gelesen hat, sondern Wissen aus eigener Erfahrung mitbringt - und dieses auch schonungslos an uns weitergibt. Das Buch ist stellenweise harter Tobak und - zumindest als selbst Betroffene - nicht einfach zu lesen, gleichzeitig habe ich mich selten so verstanden gefühlt. 


"Wer Gefühle loswerden will, muss sie fühlen."
pos. 386


Vieles, was die Autorin schreibt kommt mir selbst sehr bekannt vor und habe ich selbst erlebt. Manches wiederum wurde mir zum Glück erspart, wieder anderes war bei mir dafür schwerer oder einfach "anders". 
So oder so gibt das Buch Einblicke in die schmerzhafte Welt der Depression und den mühsamen Kampf, den man nicht nur mit der Krankheit, sondern auch mit dem Umfeld und der Gesellschaft führen muss. 
Ob man nun selbst Erfahrungen mit psychischen Krankheiten hat oder das Buch lesen möchte, weil man jemanden kennt, dem man gerne helfen möchte: "Mein schmerzhaft schönes Trotzdem" ist ein unglaublich ehrliches, wichtiges, schmerzhaftes aber auch fantastisches Buch, das mich zum Lachen, Weinen, zum Verzweifeln und zum Hoffen gebracht hat. Es zeigt, wie wichtig es ist, Menschen um sich zu haben, die verständnisvoll und geduldig sind und einem helfen - einen aber auch einfach mal in Ruhe lassen, wenn nötig. Und es zeigt auch, dass das Leben wertvoll und wunderschön ist, auch wenn es oft schmerzhaft und gemein und nicht gewollt ist. 

Für mich ist "Mein schmerzhaft schönes Trotzdem" eines der besten Bücher über Depressionen - sowohl für Betroffene als auch Angehörige. 


"Das Gegenteil einer Depression ist nicht Freude. Das Gegenteil einer Depression ist Lebendigkeit."
pos. 1197


Sehr schön - und sehr wichtig - ist die Triggerwarnung am Anfang des Buches. Es wäre wirklich toll, wenn so etwas endlich zur Normalität werden würde. 


Fazit

Authentisch, informativ, schmerzhaft, hoffnungsvoll - und einfach großartig - das ist "Mein schmerzhaft schönes Trotzdem". Selten habe ich mich so verstanden gefühlt und selten habe ich mir so viele Stellen im Buch markiert. 
Wenn ich mich für ein Buch über Depressionen entscheiden müsste, dann wäre es dieses hier. 



[Books] Larysa Denysenko & Masha Foya - Alle meine Freunde

 



*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von NetGalley und Rowohlt zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Alle meine Freunde Originaltitel: Майя та її мами Autor: Larysa Denysenko Übersetzerin: Mila Piredda Illustratorin: Masha Foya Verlag: Rowohlt Rotfuchs 
Preis: 15,00€ Genre: Bilderbuch Format: eBook Seitenanzahl: 72 
ISBN: 978-3-499-01119-1 Original Erscheinungsdatum: 2017 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

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Ein wunderbar warmherziges Bilderbuch über Diversität, Liebe und Respekt! 

Ich heiße Maya und gehe in die 4. Klasse. Wir sind 17 Kinder, und alle sind richtig nett! Möchtest du sie kennenlernen? Da sind zum Beispiel Sophya und Solomia, zwei ganz besondere Zwillinge. Oder Tymko, der mal bei seiner Mama und mal bei seinem Papa wohnt. Oder Danylko, der seinen Vater gar nicht kennt. Oder Hrystyna, die bei ihrer Oma lebt, weil ihre Eltern im Ausland arbeiten. Oder Petro, der eine ganz riesige Familie hat. 
Ich selbst habe zwei Mamas. 
Und wie sieht deine Familie aus? 

Kindgemäß und einfühlsam erzählt die ukrainische Autorin Larysa Denysenko, wie regenbogenbunt Familien sein können.

Erster Satz

"Ich heiße Maja."

Autorin


"Larysa Denysenko ist Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin in Kiew. Sie hat als Radio- und Fernsehmoderatorin gearbeitet und auch selbst Beiträge verfasst. Darüber hinaus schult sie Lehrer:innen und sozial Engagierte zu den Themen Menschenrechte, Toleranz oder Antidiskriminierung. Larysa Denysenko hat über zwanzig Bücher für Erwachsene und Kinder verfasst."


Cover und Titel


Das Cover ist allein durch die gelbe Farbe sehr auffällig. Darauf abgebildet ist Maja, die Protagonistin des Buches. So sieht man auch gleich, welche Art von Illustrationen einen im Inneren erwartet. Auch der Titel springt einen dank der bunten, großen Buchstaben sofort ins Auge. Beides passt sehr gut zum Inhalt.


Meine Meinung


Maja geht in die 4. Klasse und lebt in der Ukraine. In diesem Buch stellt sie all ihre Freunde vor - denn die sind ganz unterschiedlich! Manche haben nur ein Elternteil, manche gar keine, wieder andere gleich ganz viele - denn Familie ist so viel mehr als Vater, Mutter, Kind! 


„Krieg richtet sich immer gegen Kinder. Und mit diesem Text möchte ich ausrufen, dass die Kinder meines Landes internationalen Schutz bedürfen, dass die Kinder meines Landes das Recht auf ihre Gegenwart und Zukunft haben - nicht auf der Straße, nicht unter Besatzung, nicht in einem Luftschutzkeller, nicht in einem Badezimmer, nicht unter Beschuss, sondern in der geschützten, friedlichen Umgebung liebender Familien, in der Ukraine."


Der Schreibstil ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, da man direkt angesprochen wird (z.B. "Und du? Was magst du?", "Manchmal wollen Leute einfach nicht gefunden werden, weißt du?" oder "Hast du auch ein Geheimnis?"). Nach einer Weile gewöhnt man sich jedoch daran. Außerdem werden die meisten Kinder damit kein Problem haben und die Fragen begeistert beantworten. Kindgerecht ist der Schreibstil jedenfalls allemal und auch schwierige oder komplexe Themen wie Krieg, Tod oder Samenspende werden kindgerecht erzählt und ansatzweise erklärt. 


„Frau Yuliya sagt, dass Kinder in Liebe aufwachsen müssen. [...] Das Wichtigste ist, sich zu lieben und sich gegenseitig zu respektieren."


In dem Buch geht es um Maja und ihre Freund*innen, die alle unterschiedlich sind und aufwachsen. So ist z.B. Petro ein Roma und hat eine sehr große Familie, während Sofiika mit ihrer Mutter aus Luhansk geflohen ist und ihren Vater im Krieg verloren hat. Levko wiederum ist adoptiert und Maja selbst hat 2 Mütter. Die Kapitel sind sehr kurz und hin und wieder hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Mehr Hintergrund, mehr Ausführungen, einfach irgendwie mehr. Gleichzeitig ist das Buch dadurch aber auch unaufgeregt - und ohne Zweifel ein wichtiges Werk über Toleranz, Diversität, Freundschaft und Familie. 

Fazit


Ein bisschen ausführlicher hätte das Buch für meinen Geschmack hier und da gerne sein dürfen. Als Erwachsener ist der Schreibstil und die direkte Ansprache anfangs etwas ungewohnt. Aber eines ist sicher: "Alle meine Freunde" von Larysa Denysenko ist ein tolles und wichtiges Bilderbuch über Toleranz, Freundschaft, Familie und Diversität, das aktuelle und bedeutende Themen anspricht und in jedem Kinder-Bücherregal stehen sollte!


Donnerstag, 25. August 2022

[Books] Shari & André Dietz - Ich bin Mari (mit Bildern von Saskia Gaymann)

 

Shari & André Dietz - Ich bin Mari (mit Bildern von Saskia Gaymann) Cover


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von NetGalley und arsEdition zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Ich bin Mari Autoren: Shari & André Dietz Illustratorin: Saskia Gaymann Verlag: arsEdition 
Preis: 15,00€ Genre: Bilderbuch Format: eBook Seitenanzahl: 32 
ISBN: 978-3-8458-5079-5 Original Erscheinungsdatum: 2022 

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Ähnliche Bücher: Alles Liebe (Shari & André Dietz); Kleiner Löwe, großer Mut (Tom Belz); Ich gehör dazu! (Tom Percival)

Mari ist ein Kind wie jedes andere. Sie lacht, spielt, isst, trinkt, schläft, tanzt, geht in die Schule, liebt Bücher und Fernsehen, macht Pipi und Kacka. Alles normal, oder? Doch manche Dinge sind eben besonders normal bei Mari. Mari hat das Angelman-Syndrom, das ist ein seltener Gendefekt. In diesem Buch erzählt sie die Geschichte und wie sie die Welt sieht. Das Besondere daran ist: sie hat sie bisher niemandem erzählt, weil sie gar nicht sprechen kann. Aber ihre Eltern verstehen sie und haben ihre Geschichte für sie aufgeschrieben. 
Mit der wichtigen Botschaft: Jeder Mensch ist einzigartig. Besonders. Liebenswert. Und stark! 
         

Erster Satz

"Mari ist ein Kind wie jedes andere."


Autoren


"Shari und André Dietz leben mit ihren vier Kindern und den beiden Hunden im Kölner Umland. André Dietz ist Schauspieler, Autor und Musiker. Shari Dietz ist Autorin und Bloggerin und produziert regelmäßig Content für eine stetig wachsende Fanbase zum Thema Familie, Kinder, Interior und Design. 2016 gingen Shari und André mit dem sehr unbekannten und deswegen oft falsch diagnostizierten Gendefekt ihrer Tochter Mari an die Öffentlichkeit, was auf viel positive Resonanz stieß. Wie das Paar sein Schicksal als Chance gesehen und trotzdem das große Glück gefunden hat, davon erzählen sie in ihrem Buch Alles Liebe, das 2019 erschienen ist. Mit dem Kinderbuch Ich bin Mari wollen Shari und André ihrer nicht sprechenden Tochter eine Stimme geben. Der Familie ist das Thema Inklusion eine Herzensangelegenheit und dieses Buch soll ein Beitrag sein, um das gemeinschaftliche und selbstverständliche Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung weiter voranzutreiben."


Illustratorin


"Saskia Gaymann ist 1979 in Freiburg geboren, in den 90er-Jahren in Rom aufgewachsen. Nach erfolgreichen Jahren als Visagistin für diverse Fernsehformate, arbeitet sie seit 2008 als selbstständige Illustratorin und Cartoonistin in Köln. Frech, neugierig, selbstbewusst und mit einem breiten Grinsen im Gesicht ziehen ihre kleinen und großen Heldinnen und Helden mit Witz und unverkennbarem Strich auf Entdeckungsreise durchs Leben."


Cover und Titel



Das Cover zeigt gleich, welch wundervollen Illustrationen einen im Inneren des Buches erwarten und zeigt Mari in ihrem Rollstuhl zusammen mit ihren drei Geschwistern. Titel sowie Cover passen hervorragend zum Inhalt des Buches.


Meine Meinung


Mari ist ein Kind wie andere Kinder auch: sie liebt schwimmen, Bücher, Fernsehen und Süßigkeiten, mag aber kein Gemüse und hasst lange Autofahrten. Doch manche Dinge sind bei Mari besonders normal, denn sie hat das Angelman-Syndrom, ein seltener Gendefekt, durch den Mari nicht sprechen kann. Was aber nicht bedeutet, dass sie sich nicht trotzdem verständigen kann! 

„Es ist immer besser und schöner mit uns zu reden - als über uns."


Der Schreibstil ist flüssig und einfach zu lesen und die Geschichte ist aus der Sicht von Mari geschrieben. Daher kommen auch Mari-eigene Wörter vor, wie z.B. Mampf & Gnmpf, was Mama & Papa bedeutet oder Nuh für Schnuller. Auch wenn man diese Wörter selbst vielleicht nicht kennt, so kann man sie aus dem Kontext meist trotzdem gut erraten, außerdem gibt es am Ende des Buches ein kleines "Wörterbuch" ;) 

Die Illustrationen sind wahnsinnig schön, detailliert und witzig und unterstreichen Maris Geschichte auf besonders tolle Art und Weise. 

Das Buch ist ein ganz toller Beitrag für das bessere Verständnis von Inklusion und kann hoffentlich dazu beitragen, dass Berührungsängste über Bord geworfen werden können. 

Fazit


Ein Buch, das in keinem Regal fehlen sollte! 



Sonntag, 31. Juli 2022

[Books] Stephen King & Richard Chizmar - Gwendys letzte Aufgabe (Gwendy Band 3)

 

Stephen King & Richard Chizmar - Gwendys letzte Aufgabe (Gwendy Band 3)


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von RandomHouse und Heyne zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Gwendys letzte Aufgabe Originaltitel: Gwendy´s Final Task Autor: Stephen King & Richard Chizmar Übersetzer: Sven-Eric Wehmeyer Verlag: Heyne 
Reihe: Gwendy, Teil 3/3 |
Preis: 14,00 € Genre: Fantasy Format: Gebunden Seitenanzahl: 350 
ISBN: 978-3-453-42638-2 Original Erscheinungsdatum: 2022 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

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Ähnliche Bücher: Gwendys Wunschkasten (Stephen King & Richard Chizmar); Gwendys Zauberfeder (Richard Chizmar); Später (Stephen King)

Castle Rock, wir haben ein Problem!
Gwendy, als Politikerin für Klimafragen zuständig, begibt sich mit Wissenschaftlern ins All. Sie ist jedoch auf einer geheimen Mission. Der Wunschkasten ist zurückgekehrt, mächtiger und zerstörerischer denn je. Die Aufgabe, die Welt zu retten, könnte für sie zur Reise ohne Rückkehr werden.


Erster Satz


"Es ist ein wunderschöner Apriltag in Playalinda, Florida, unweit von Cape Canaveral."


Autoren


"Stephen King ist Autor von über fünfzig Bücher, die alle weltweit Bestseller wurden. Er gilt als der große Chronist des amerikanischen Alltags. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 2003 den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk und 2015 mit dem Edgar Allan Poe Award den bedeutendsten kriminalliterarischen Preis für Mr. Mercedes. 2015 ehrte Präsident Barack Obama ihn zudem mit der National Medal of Arts."

"Richard Chizmar ist Verleger von Cementery Dance Publications und Autor von Kurzgeschichten. Als Herausgeber von Anthologien wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Bram Stoker Award, mit dem World Fantasy Special Award und mit dem Preis der International Horror Guild."


Cover und Titel


Das Cover passt auch hier wieder sehr gut in die Reihe, allerdings wurde leider die besondere Haptik weggelassen: anstatt einem rauen, beinahe holzartigen Untergrund, hat man bei Band 3 darauf verzichtet und lässt den Einband glatt, hebt Titel und Autor mit Spotlack hervor. Das hat vermutlich finanzielle Gründe, ist aber trotzdem sehr schade. Das Cover zeigt den geschwungenen Titel und im Hintergrund Sterne und einen Astronautenhelm. Sowohl Cover als auch Titel passen sehr gut zum Inhalt des Buches. 


Meine Meinung


Wieder sind einige Jahre vergangen seit unserem letzten Wiedersehen mit Gwendy. Mittlerweile ist sie 64 Jahre alt, Autorin und Senatorin - und leider schon wieder im Besitz des Wunschkastens. Richard Farris übergab ihn ihr mit einer letzten Bitte: Der Wunschkasten muss verschwinden. Für immer. Und damit beginnt für Gwendy eine Reise, von der sie möglicherweise niemals zurückkehren wird ... 


„Die Leute brauchen keinen Wunschkasten, um grauenhafte Dinge anzustellen. Die Seele des Menschen steckt voller böser Scheiße."
S. 308


An diesem Buch haben wieder sowohl Stephen King als auch Richard Chizmar geschrieben - was man durchaus merkt. Allen voran natürlich an den vielen, mehr oder weniger versteckten Hinweisen auf Kings andere Bücher. Gerade diese Querverweise sind absolute Leckerbissen für Leser*innen, die seine anderen Werke kennen und lieben. 
Ansonsten ist der Schreibstil leicht zu lesen und man findet wieder deutlich mehr Spannung - die fehlte mir im zweiten Band ja leider. Die Story wird nicht chronologisch erzählt, sondern mit einigen Rückblenden. Gerade zu Beginn fragt man sich sehr häufig, was zur Hölle in der Zeit seit dem letzten Band geschehen ist, aber man wird dann stückchenweise aufgeklärt. Dadurch bleibt die Geschichte spannend, ist aber auch ein bisschen vorhersehbar.  

„Wenn man vor der Wahl steht, das Richtige oder gar nichts zu tun, tut man einfach das, was richtig ist. Immer. Ohne Ausnahme."
S. 346


Gwendy als Protagonistin ist sympathisch wie eh und je - wenn auch deutlich älter und daher mit Problemen, die ich (zum Glück) noch nicht nachvollziehen kann. Ich fand sie jedoch sehr authentisch, ehrlich und mit Ecken und Kanten. Das Setting im Weltall fand ich anfangs etwas ungewohnt, andererseits macht die Geschichte hier auch am meisten Sinn, daher konnte ich mich schnell damit arrangieren. Die Story hat einen tollen Spannungsbogen und bietet ein emotionales, rührendes, ruhiges, gleichzeitig aber auch bombastisches Ende, das mir sehr gut gefallen hat. 

Alles in allem ein toller, runder Abschlussband, der die Geschichte rund um Gwendy und den Wunschkisten zu einem schlüssigen Ende bringt - für mich ein gelungenes Finale, das Spaß macht! 

Fazit

Natürlich reicht die Trilogie von Gwendy nicht an die Meisterwerke von Stephen King heran, dennoch mochte ich sie. Es ist eine ruhige, atmosphärisch erzählte Geschichte mit Tiefgang, die einen stellenweise auch zum Nachdenken bringt. Band 3 ist um Welten besser als der Vorgänger, aber auch ein kleines bisschen schwächer als der erste Teil. Allerdings wirklich nur ein wenig ;)  Ein schöner Abschlussband, der die Geschichte zu einem runden, schlüssigen Ende führt. 


Sonntag, 17. Juli 2022

[Books] Alice Oseman - Loveless

 

Alice Oseman - Loveless Cover


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von NetGalley und Loewe zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


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Über das Buch


Titel: Loveless Originaltitel: Loveless Autorin: Alice Oseman Übersetzer:in VanessaWalder Verlag: Loewe 
Preis: 12,99€ Genre: Young Adult, LGBTQIA+ Format: eBook Seitenanzahl: 480 
ISBN: 978-3-7432-1219-0 Original Erscheinungsdatum: 2020 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

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Ähnliche Bücher: Nothing Left for Us (Alice Oseman), Heartstopper (Alice Oseman), Solitaire (Alice Oseman)

Georgia ist 18 und noch immer ungeküsst. Sie war noch nie verliebt, noch nicht einmal ein bisschen verknallt. Dabei schwärmt sie für alles, was so richtig schön romantisch ist: Hochzeiten, Liebesgeschichten und Happily-Ever-Afters. Der Richtige wird schon noch kommen, oder? Oder die Richtige? Irgendwann ... Aber was, wenn nicht?

Erster Satz

"Drei Pärchen saßen wild knutschend ums Feuer herum, als wären sie bei einer Kuss-Orgie."


Autorin


"Alice Oseman veröffentlichte den ersten Roman mit 19 Jahren. Inzwischen sind drei weitere Jugendromane erschienen sowie die erfolgreiche Webcomicserie Heartstopper. Alice starrt am liebsten stundenlang auf einen Computerbildschirm, stellt dabei die menschliche Existenz in Frage und tut alles Mögliche, um einen ordentlichen Bürojob zu vermeiden."


Cover und Titel


Das Cover ist in einem auffälligen Lila gehalten und ist vom Stil her wie die anderen Romane der Autorin: Einfarbig, auffälliger Titel und eine Zeichnung. Hier handelt es sich dabei um die schwarz-weiße Comiczeichnung eines Mädchens, das ein Herz in der Hand hält, von dem kleine Herzen davonfliegen. Titel und Cover passen sehr gut zum Inhalt.


Meine Meinung


Georgia ist 18, hat ihren Abschluss in der Tasche - und ist immer noch ungeküsst. Das nervt sie gewaltig, denn sie möchte auch das, was der Rest der Familie offenbar hat: eine glückliche Beziehung, Liebe, Romantik! Doch bisher war einfach nicht der Richtige dabei. Oder vielleicht die Richtige? Georgia ist verunsichert, denn ihr wird klar, dass sie sich bisher nie wirklich verliebt hat. Stimmt etwas nicht mit ihr? Jetzt muss sie die erste Zeit auf dem College unbedingt dafür nutzen, endlich herauszufinden, wer sie wirklich ist - und endlich sexuelle Erfahrungen sammeln und eine*n Partner*in finden! Oder .... ?


„Ich liebte - liebte! - Liebe. Ich weiß, das ist schmalzig. Aber ich war nie zynisch. Eine Träumerin vielleicht, die an die Magie der Liebe glaubte und sich danach sehnte."
pos. 126


Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, leicht und jugendlich. Das passt natürlich hervorragend zur Zielgruppe und mir hat das sehr gut gefallen. Auch die Tatsache, dass die gesamte Geschichte aus der Sicht von Georgia geschrieben ist, war sehr passend und hat dafür gesorgt, dass man ihre Story und ihr Handeln besser nachvollziehen kann.

Manche Übersetzungen fand ich allerdings etwas seltsam, z.B. wenn Pip ihre beste Freundin Georgia ständig "Kumpel" nennt ("Georgia, mein Kumpel." u.ä.). Im Original heißt es "dude". Die meisten Jugendlichen, die ich kenne, nutzen auch eher die englischen Begriffe und sagen eher "buddy" oder "dude" und sagen "Kumpel" nur indirekt (z.B. "Mein Kumpel XY sagt immer ..."), aber eben nicht in der direkten Ansprache. Das fand ich irgendwie etwas seltsam. Außerdem ist mir aufgefallen, dass vieles anders übersetzt wurde, z.B. wurde aus "Instagram influencer´s bedroom" plötzlich "Disneyland" oder aus "prisoner cell" ein "Archivfoto". Warum? Diese Änderungen sind nicht verständlicher als das Original und tragen nicht mehr zum Inhalt bei, also warum das Original ändern? Das macht überhaupt keinen Sinn! Ich werde mir ab jetzt jedenfalls überlegen, ob ich nicht lieber gleich beim englischen Buch bleibe anstatt die Übersetzung zu lesen, denn ich mag es überhaupt nicht, wenn Texte falsch übersetzt werden. (Das ist so lange in Ordnung, wenn das geänderte Wort in Deutschland gebräuchlich ist, während das Originale nur wenige kennen, z.B. Kroger vs. Aldi, aber auch hier in Deutschland kennen wir Influencer und Gefängniszellen. Warum also abändern?) 

„Es würde eine absolute Katastrophe werden, aber das würde keinen von uns abhalten."
pos. 1949


Die Protagonist*innen haben mir allesamt sehr gut gefallen, da sie Tiefe haben und sehr unterschiedlich sind. Pip und Sunil haben es mir ganz besonders angetan. Mit Georgia hingegen hatte ich ein paar Probleme, da ich ihre Entscheidungen oft nicht nachvollziehen konnte - auch wenn sie erst herausfindet, dass sie aro-ace ist und dementsprechend natürlich sehr verwirrt und verunsichert ist, hat sie sich gegenüber ihren besten Freunden oft wirklich unfair verhandelt und diese tief verletzt, teilweise war sie sogar richtig rücksichtslos. 


„Und das Schlimmste daran war - auch wenn ich mich nach diesen Dingen gesehnt hatte, wusste ich, dass sie mich sowieso nie glücklich gemacht hätten. Die Idee davon war immer schön. Aber die Realität machte mich krank."
pos. 3066


Die Thematik ist natürlich unglaublich wichtig. Gerade Asexualität ist im Bewusstsein der Gesellschaft gefühlt noch nicht so wirklich angekommen und auch in Büchern und Filmen eher selten vertreten. Daher sind gerade Bücher wie Loveless so unglaublich wichtig. Natürlich ist Asexualität und Aromantik ein breites Spektrum und hat viele verschiedene Facetten, die natürlich nicht alle in einem einzigen Roman abgebildet werden können, aber das Buch bietet auf jeden Fall einen ersten Einblick. Dank Georgia und Sunil lernt man viel darüber, was Asexualität / Aromantik eigentlich ist. Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis von LGBTQIA+ und zur Erweiterung der diversen Sichtbarkeit. 


„Alles wird gut. Es gibt nichts, was du tun musst, außer du zu sein."
pos. 3718


Fazit


Eine wundervolle Geschichte, die einem das A in LGBTQIA+ näher bringt und die humorvoll, aber auch dramatisch ist. Die Protagonist*innen sind vielfältig und mit Tiefgang geschrieben und der Schreibstil ist schön jugendlich und angenehm zu lesen. Einzig mit der Übersetzung habe ich stellenweise meine Probleme, da vieles nicht akkurat übersetzt wurde oder sich im Deutschen irgendwie seltsam anhört. 

Alles in allem auf jeden Fall eine tolle Geschichte über Queerness, Asexualität, Aromantik, Freundschaft, Liebe, Selbstfindung, Akzeptanz und Diversität, die ich jedem ans Herz legen kann.



Dienstag, 12. Juli 2022

[Books] Jasmin González: Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet - wild & sanft, stark & sensibel, entschlossen & frei

Jasmin González: Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet - wild & sanft, stark & sensibel, entschlossen & frei


*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von Goldegg zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet Autorin: Jasmin González Verlag: Goldegg 
Preis: 19,95€ Genre: Female Empowerment Format: Klappenbroschur Seitenanzahl: 280 
ISBN: 978-3-551-57777-1 Original Erscheinungsdatum: 20021 

Hier kaufen als Buch oder eBook


Ähnliche Bücher: Das geheime Wissen der Hexen (Goodwill Galbassi); Die Wolfsfrau (Clarissa Pinkola Estes)

Über Jahrtausende sind wir Frauen in patriarchalische Strukturen und Traditionen hineingewachsen. Wurde uns vermittelt, wer wir sind, wie wir sind, wir wir auszusehen und zu fühlen haben. Wir tragen in uns die individuellen und kollektiven Wunden des Weiblichen, die es zu heilen gilt, ebenso wie all die Fähigkeiten, das Wissen und den Mut unserer Ahninnen. Es ist an der Zeit, dass wir unsere Macht wiederentdecken, annehmen und einsetzen. Wir sind wild, stark, entschlossen und im Innersten frei! #Bosswitch
        
Erster Satz

"Die Hexe, wie wir sie aus Märchenbüchern kennen, bucklig, auf dem Besen reitend, Unheil bringend, kleine Kinder fressend, gib es nicht - und gab es nie."


Autorin

"Jasmin Gonzalez setzt sich als Enfant terrible provokant über geltende Konventionen hinweg und ermuntert andere dazu, ihren eigenen Stil zu finden. Sie interpretiert Female Empowerment neu als freche, selbstbewusste Bewegung für Frauen, die sich mehr trauen und auf ihre innere Stimme hören. Als Voice- und Videocoach und mit ihrer Erfahrung als Moderatorin, Fernsehredakteurin und Speakerin unterstützt sie andere Frauen dabei, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und erarbeitet mit ihnen einen stimmigen, strategisch durchdachten Außenauftritt."

Web: https://www.jasmingonzalez.de/



Cover und Titel


Ich bin durch das Cover auf das Buch aufmerksam geworden: Die Farbe ist in einem auffälligen Magenta, die weiße Schrift des Titels schön groß mit einer besonderen Typographie. Eigentlich recht schlicht, aber eben dennoch (oder auch gerade deswegen) auffällig. Gefällt mir sehr gut! Auch der Titel ist gut gewählt und der Satz kommt im Buch immer wieder vor. Da bei mir und auch in meiner Familie das Wort "Hexe" stets mit guten Dingen besetzt war, hat mich der Titel auch direkt neugierig gemacht. Außerdem ist die Gestaltung des Buches auch im Innenteil wirklich schön, mit verschiedenen Elementen, Zeichnungen und Hervorhebungen einzelner Wörter oder Sätze. 

Meine Meinung


Frauen haben es nicht leicht. Hatten es nie leicht. Gefangen im Patriarchat, in Strukturen und Traditionen, die Frauen Fesseln angelegt haben und sie in ein Korsett zwängten, das nicht so einfach loszuwerden ist. Dieses Buch ist eine Auseinandersetzung mit den bestehenden Zwängen und gleichzeitig die Geschichte der Autorin, die zeigt, wie sie aus eben diesen ausgebrochen ist. 

„Es gibt aus meiner Sicht keine wichtigere, wertvollere Aufgabe, als deine Stimme zu finden und herauszufinden, wofür du diese einsetzen solltest."
S. 262


Der Schreibstil der Autorin ist sehr direkt, bildhaft und klar, stellenweise auch sehr jugendlich mit vielen Anglizismen und Ausrufen. Gerade die direkte Ansprache mit "du" fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, habe mich jedoch auch schnell daran gewöhnt. Denn genau das macht das Buch auch so eindrücklich. Als würde man mit einer Freundin quatschen - die ganz schön viel zu sagen hat! Die Autorin nimmt jedenfalls kein Blatt vor den Mund und erzählt nicht nur von dem Weg, den sie gegangen ist, um sich selbst anzunehmen, sondern auch von all den Rückschlägen und Steinen, die ihr vom Leben selbst oder von anderen Menschen in den Weg gelegt wurden. Das macht das Buch sehr authentisch - manchmal muss man schmunzeln, manchmal fühlt man sich ertappt, manchmal ermutigt und manchmal wütend. 


„1:10 hoch 2.685.00 - also eine 1 mit 2685.000 Nullen! Hm, jap, ich habe grad keine Zeit, um diese alle einzutippen, aber wir halten fest, die Wahrscheinlichkeit, dass gerade du geboren wirst, war sehr gering."
S. 18


Das Buch handelt von female empowerment, der Stärke von Frauen, Selbstbestimmung - Frauenpower pur! Die Autorin legt hier ein gut recherchiertes Werk vor und wirft den Leser*innen manchmal auch ganz schön heftige Dinge an den Kopf. Doch genau das ist auch augenöffnend und wichtig. An vielen Stellen musste ich zustimmend nicken oder darüber nachdenken - über das Geschriebene, aber auch mein eigenes Leben und meine Vergangenheit. Das hat mir sehr gut gefallen. Außerdem habe ich auch einiges Neues gelernt, zum Beispiel war mir nicht bewusst, dass die weibliche Stimme über die Jahrhunderte tiefer wurde und die Stimmhöhe auch heute noch in verschiedenen Ländern unterschiedlich ist. Wieder andere Stellen konnte ich nicht ganz so gut nachvollziehen, was aber auch in Ordnung ist, man muss nicht immer allem zustimmen. 

[Books] Jasmin González: Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet - wild & sanft, stark & sensibel, entschlossen & frei

Zwei Sachen haben mich aber wirklich ganz gewaltig gestört: 

1. Die Autorin verweist in ihrem Text sehr häufig auf andere Quellen, z.B. YouTube-Videos. Das finde ich an sich super, denn so hat man gleich noch etwas, was man sich anschauen oder durchlesen kann. Allerdings sind die Links im Text einfach ausgeschrieben. Da stehen also ewig lange URLs - ganz ehrlich: ich habe wirklich keine Lust, den abzutippen, nur um dann festzustellen, dass ich irgendwo einen Buchstaben- oder Zahlendreher drin habe. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Es wäre in der heutigen Zeit doch so einfach, das anders zu lösen! Möglichkeit Nummer 1: ein QR-Code am Anfang des Buches, der einen zu einer Auflistung führt, auf der die (anklickbaren!) Links aufgelistet sind. Möglichkeit Nummer 2: Am Anfang des Buches darauf hinweisen, dass man die Videos und weiterführende Links auf der Website beim Buch findet. Dann auf der Website entweder direkt die Links hinterlegen oder z.B. ein downloadbares PDF zur Verfügung stellen, in dem man die (ebenfalls anklickbaren) Links findet. Oder Möglichkeit Nummer 3: Wenigstens gekürzte URLs (z.B. mit bitly) nutzen. Dann muss man zwar immer noch abtippen, aber wenigstens keine ewig langen Links mit vielen Zahlen und Buchstaben ohne Sinn. So habe ich leider kein einziges der genannten Videos angesehen, da mir das ehrlicherweise einfach zu doof war. Schade!

2. Es gibt leider wirklich unfassbar viele Rechtschreib- und Grammatikfehler. Massenhaft! Ein paar Fehler findet man quasi in jedem Buch, aber hier war es wirklich auffallend extrem und hat den Lesefluss leider sehr gestört. Auch das wiederum sehr schade! 

Fazit


Ein Plädoyer für Weiblichkeit und Female Empowerment, welches mir alles in allem ganz gut gefallen hat. Der Sprachstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber daran gewöhnt man sich. Schlimm fand ich jedoch die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler und die Tatsache, dass so viele (lange!) Links einfach im Text ausgeschrieben wurden, anstatt sie wirklich anklickbar zu machen - das wäre mittels QR-Code oder Verlinkung auf der Buch-Website auch bei einem Printbuch machbar gewesen. Oder falls das aus unerfindlichen Gründen nicht machbar gewesen wäre, hätte man wenigstens einen URL shortener nutzen können. Von mir bekommt das Buch (sehr gut aufgerundete) 3,5 Sterne.


Samstag, 9. Juli 2022

[Books] Jenny Jägerfeld & Mats Strandberg - Monster auf der Couch: Der rätselhafte Fall der verschwundenen Psychologin

 



*Werbung / Rezensionsexemplar: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos von penhaligon und RandomHouse zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 


Über das Buch


Titel: Monster auf der Couch: Der rätselhafte Fall der verschwundenen Psychologin Originaltitel: Monster i Terapi Autor: Jenny Jägerfeld & Mats Strandberg Übersetzerin: Leena Flegler Illustrator: Erin Sandström Verlag: penhaligon 
Preis: 20,00€ Genre: F Format: Gebunden Seitenanzahl: 464 
ISBN: 978-3-7645-3268-0 Original Erscheinungsdatum: 2020 Deutsches Erscheinungsdatum: 2022 |

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Eine Psychologin verschwindet spurlos - in ihrem Büro findet die Polizei Akten über ihre Patienten: Dr. Jekyll, Dorian Gray, Carmilla und Victor Frankenstein. Ist es möglich, dass die zum Leben erwachten Figuren der Schauerliteratur in Therapie sind? Welche Geheimnisse hat die Psychologin über sie herausgefunden? Warum befinden sich Blutspritzer auf den Dokumenten? Und wollte die Verschwundene tatsächlich ein Buch mit dem Titel Monster auf der Couch schreiben? Nur wer die Akten der Psychologin durchstöbert, kann dem Mysterium ihres Verschwindens auf den Grund gehen und wird belohnt mit schauderhaftem Wissen: nämlich was uns Menschen zu Monstern macht - und Monster zu Menschen ...  

        
Erster Satz

"Meine Frau ist seit knapp einem Monat verschwunden."


Autor*innen


"Die schwedische Psychologin Jenny Jägerfeld, geboren 1974, betreut in ihrer therapeutischen Praxis Kinder und Erwachsene, zudem schreibt sie aber auch Bücher über sie. Für ihre Romane gewann sie im Kinder- und Jugendbereich bereits den renommierten August-Preis, den Astrid-Lindgren-Preis, den Kinderbuchpreis von Sveriges Radio und den LUCHS."

"Mats Strandberg, geboren 1976, zog als 16-jähriger aus dem kleinen Fagersta in Västmanland nach Stockholm. Heute ist er freier Journalist und schreibt unter anderem Kolumnen für QX und Aftonbladet. Im Jahr 2004 wurde er von Sveriges Tidskrifter - dem Verband schwedischer Zeitschriftenverlage - zum Kolumnist des Jahres gewählt. Sein Roman Halbes Leben war ein großer Überraschungserfolg und erhielt begeisterte Kritiken."


Cover und Titel


Das Cover - und allgemein die gesamte Gestaltung des Buches ist definitiv ein Hingucker! Titel und Blutstropfen in leuchtendem Rot und das Foto von Dr. Frankenstein sind mit Spotlack veredelt, während das "Papier" der Akte im Hintergrund eine raue Struktur hat. Dadurch wirkt das Buch nicht nur edel, sondern auch sehr interessant. Cover und Titel passen hervorragend zum Inhalt des Buches - nur der Untertitel "Der rätselhafte Fall der verschwundenen Psychologin" finde ich nicht so gelungen. Dazu später mehr. 

Meine Meinung


Eine Psychologin hat besondere Patient*innen in ihrer Praxis: Jekyll & Hyde, Frankenstein und sein Monster, Dorian Gray und die Vampirin Carmilla. Sie alle haben ganz unterschiedliche Probleme: Jekyll kämpft mit seinem zweiten Ich, das sich nicht so verhält, wie er es gerne hätte, obwohl er doch auch gleichzeitig den Drang verspürt, auch so zu werden; Carmilla sieht ich von ihrer Geliebten konfrontiert, die nicht verstehen möchte, dass sie das Blut anderer Frauen trinkt; Dr. Frankenstein hat ein Wesen erschaffen, vor dem er sich jetzt fürchtet und das Wesen selbst weiß nicht, wer oder was es ist. So viele verschiedene Schicksale - daher beschließt die Psychologin, über ihre Patient*innen ein Buch zu schreiben. 


„In jedem von uns steckt ein Hyde. Jemand, der sein Leben in vollen Zügen auskostet und den tierischen Trieben freien Lauf lässt. Der Unterschied ist bloß, dass Jekyll mir eine eigene Gestalt verliehen hat."
S. 57


Der Schreibstil ist recht einfach zu lesen, auch wenn man sich zuerst an die Art gewöhnen muss, denn die gesamte Geschichte wird in Form von Sitzungs-Protokollen, Notizen und Briefen erzählt. Gleichzeitig wird das Buch dadurch - und auch durch die hervorragende Gestaltung - zu etwas ganz Besonderem. 
Da die Patient*innen aus unterschiedlichen Epochen kommen, kommt es auch immer wieder zu sehr lustigen Szenen, z.B., wenn Carmilla entdeckt, dass in der heutigen Zeit Homosexualität ausgelebt werden darf & Polyamorösität ein echtes Wort ist, Dr. Jekyll einsehen muss, dass auch Frauen (sogar medizinische und wissenschaftliche!) Berufe ausüben dürfen oder Dr. Frankenstein sich damit konfrontiert sieht, dass sowohl die Psychologin als auch seine Verlobte glauben, er hätte ein uneheliches Kind mit einer anderen Frau anstatt einem "Monster", welches er selbst erschaffen hat. Immer wieder musste ich vor mich hin kichern oder laut lachen, dadurch wird die Story wirklich schön aufgelockert und zu einem echten Vergnügen. 


„Im Grunde können jeder Gedanke, jede Handlung und jedes Gefühl entweder dem Guten oder dem Bösen zugeschlagen werden. Es obliegt dem Einzelnen, die richtige Seite zu wählen, an jedem einzelnen Scheideweg im Leben, sei es im Großen oder im Kleinen."
S. 20


Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, dadurch kann man sie auch unterschiedlich gut leiden. Manche mochte ich sehr gerne und konnte auch ihre Probleme gut nachvollziehen, bei anderen fiel mir das deutlich schwerer. Gerade Dorian Gray fand ich grauenhaft unsympathisch - aber so sollte es wohl auch sein. Hier fand ich die Sitzungen daher auch etwas langatmig. Bei manchen Fällen war ich hingegen richtig gebannt und hätte gerne mehr gelesen. 

Während dem Lesen war ich allerdings auch sehr oft irritiert: Wie kommen die "Monster" in die heutige Zeit? Zeitreisen? Ein Portal? Nur in der Fantasie? Und wie kommen sie wieder zurück? 
Warum würden sich die Monster ausgerechnet einer PsychologIN anvertrauen, wo sie doch aus Zeiten stammen, in denen Frauen solche Berufe niemals hätten ausüben dürfen - und sie dementsprechend wohl kaum glauben würden, dass eine Frau gut und kompetent darin ist (außer vielleicht Carmilla, aber die würde eine Frau wohl aus anderen Gründen wählen, nicht aufgrund derer Kompetenz). Mal ganz abgesehen davon, dass die Psychologin auch noch lesbisch und schwanger ist - das würden viktorianische Männer sicherlich nicht akzeptieren, geschweige denn, sich dieser Frau auch noch anvertrauen und über die tiefsten Gedanken und Geheimnisse sprechen. 
Und zu guter Letzt: Warum kennt die Psychologin die Geschichten der Monster nicht und hält z.B. das, was Frankenstein erschaffen hat, zuerst für ein uneheliches Kind, wenn doch wirklich so gut wie jeder die Geschichte von Frankenstein und seinem Monster (und auch die Geschichten der anderen Kreaturen) kennt? Lebt sie in einer Realität, in der die Geschichten rund um Jekyll & Hyde, Frankenstein & Co. nicht bekannt sind? Dadurch, dass die Psychologin dahingehend so ahnungslos ist, kommt es jedoch sehr oft zu wirklich witzigen Situationen, die mir ausgesprochen gut gefallen haben. 


Ich hatte eigentlich erwartet, dass auf das Verschwinden der Psychologin mehr eingegangen wird und es quasi eine Art Kriminalfall geben wird, bei dem man versucht, anhand der Akten und Mails herauszufinden, was mit ihr geschehen ist. Und dass dadurch eine gewisse Spannung aufgebaut wird. Immerhin steht das auch groß auf dem Titel: "Der rätselhafte Fall der verschwundenen Psychologin"! Doch wo ist dieser rätselhafte Fall? Am Anfang gibt es einen Brief, bei dem die Ehefrau der Polizei mitteilt, dass ihre Frau verschwunden ist - das ist der einzige Hinweis darauf. Dann ist bis zu den letzten Seiten davon keine Rede mehr. Das Ende fand ich daher auch etwas unbefriedigend. Es klärt nicht auf, es hinterlässt eigentlich nur noch mehr Fragen. Eigentlich mag ich offene Enden durchaus gerne (wenn sie zum Buch passen) aber hier war es mir dann doch etwas zu offen. Man erfährt nicht nur nicht, was mit der Psychologin passiert ist, sondern hinterfragt auch alles andere. Das war mir dann persönlich etwas zu viel und ich hätte mir gewünscht, dass zumindest ein Teil der Fragen beantwortet werden. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn es einfach nur um die Therapie der Monster gegangen wäre anstatt um das Verschwinden, das dann irgendwie doch keine Rolle spielt und nur einen Berg an Fragen hinterlässt. Meiner Meinung nach hätte das völlig ausgereicht: Therapiesitzungen mit verschiedenen Monstern und die vielen Probleme, die sie mit sich herumtragen. Fertig. Hätte für mich gereicht, denn diesen Teil des Buches fand ich interessant und ausgesprochen amüsant. 

Fazit


Ein humorvolles Buch, das sich gut lesen lässt und viel Spaß gemacht hat. Leider lässt das Ende viel zu viele Fragen offen und das versprochene Rätsel um die verschwundene Psychologin spielt nicht wirklich eine Rolle - hinterlässt also am Ende nur noch mehr unbeantwortete Fragen. Dennoch hat mir das Buch aufgrund des tollen Humors ganz gut gefallen. 3,5 Sterne.  



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