Sonntag, 11. Oktober 2015

[Sunday Thoughts] Leben unterm Regenbogen // Life under the rainbow

[Sunday Thoughts] Leben unterm Regenbogen // Life under the rainbow




"Ich will das nicht! Ich will mich ändern, ich will das nicht! Ich kann mich doch ändern, oder? Und normal sein?"

Das Leben ist gemein, anstrengend und fies. Und als wäre das nicht schon genug, werden uns auch noch von anderen Menschen Steine in den Weg gelegt. Steine, über die man nicht einfach nur kurz hinweg stolpert - nein. Steine, die einen zu Fall bringen. Einer dieser Steine - oder sollte ich eher sagen: riesengroßer Felsen? - ist definitiv Intoleranz. Gegenüber was auch immer. Es gibt ja genügend Dinge, weswegen wir intolerant sein können. Hautfarbe. Nationalität. Größe. Gewicht. Krankheiten. Intelligenz. Beruf. Oder eben die Sexualität. 

Und eines haben diese Dinge gemeinsam: Ich kann sie nicht einfach ändern. Ich kann nicht eines Tages einfach entscheiden, dass ich eine andere Hautfarbe oder eine andere Nationalität möchte. Ich kann mich nicht größer machen. Nicht schwerer oder leichter. Und ich kann auch meine Sexualität nicht einfach ändern - auch wenn das viele, viel zu viele, immer noch glauben. Und ich möchte genau das noch einmal ganz laut sagen: 

Man kann sich seine Sexualität nicht aussuchen!!!

Es ist keine Frage des Willens ob ich nun hetero- oder homosexuell bin. Es ist auch keine Frage des Glaubens. Es ist eine Frage der Biologie. Und genauso wie meine Gene darüber entscheiden, ob ich schwarz oder weiß, groß oder klein, dick oder dünn, mit blauen oder brauen Augen bin, genauso entscheiden sie auch über meine Sexualität. Du kannst dich nicht ändern. Du kannst nicht versuchen, "normal" zu sein, denn genau das bist du bereits! Wieso sollte man auch nicht normal sein als Homosexueller? Daran ist weder etwas falsch, noch seltsam und mittlerweile sollte es auch nichts mehr ungewohntes sein. Ich habe genau diesen Satz wirklich oft gehört. Diesen Versuch, sich selbst wieder "normal" zu machen. Sich umzupolen. Doch das funktioniert nicht. Weil es eben keine Frage des Willens ist. Und apropos normal: Wer ist schon wirklich normal? Also ich nicht. Manchmal bin ich total verrückt und gestört und meine gesamte Umwelt versteht mich nicht mehr. Aber genau das ist ja wieder das Normale daran, denn wir haben alle unsere Macken und Besonderheiten. Unsere "unnormalen" Angewohnheiten. Wir alle sind irgendwie normal und gleichzeitig irgendwie unnormal. Aber das wird nicht durch unsere Sexualität definiert.  

Und an all die Zweifler da draußen, die immer noch denken, Homosexualität wäre heilbar und man müsste sie austreiben: Menschen sind Gewohnheitstiere. 
Wir sind oft faul und gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Wenn man also wirklich den komplett freien Willen in Bezug auf seine Homosexualität hätte, warum wählen dann so viele Menschen diesen - leider immer noch - steinigen Weg? Verwerfen sich mit Familien und Freunden? Setzen sich eurem Hass aus? 
Warum? 

Die Antwort ist ganz einfach: Weil sie es eben NICHT entscheiden können. Und das ist gut so. Denn ob wir gute oder schlechte Menschen sind hängt nicht davon ab, ob wir auf Frauen oder Männer stehen. Es hängt davon ab, wie wir Menschen gegenüber begegnen, die anders sind als wir. Davon, dass wir tolerant gegenüber Neuem sind. Davon, dass wir lieben und helfen, nett und freundlich sind, Lächeln und Lachen. Dass wir "menschlich" sind. Human. Auch wenn ich diese Wortwahl nie ganz begriffen habe. Denn kaum eine Spezies kommt mir so oft unmenschlich vor wie die Menschen selbst. 

Aber genau daran sollten wir uns orientieren. Wir sind alle ein bisschen gleich und ein bisschen verschieden. Ein bisschen normal und ein bisschen unnormal. Und das macht uns zu dem, was wir sind. Also schiebt endlich eure Vorurteile beiseite und seht euren Gegenüber als das an, was er ist: ein Mensch. Schluckt euren Hass runter und verbannt ihn dorthin, wo niemand ihn je wieder finden kann und öffnet euer Herz. In unserer Welt sollte kein Platz sein für Dinge wie Rassismus, Hass, Intoleranz und Gewalt. Wir sollten stattdessen eine Welt erschaffen, in denen Kinder glücklich aufwachsen können. In denen sie eine echte Chance haben. 
Also lebt, liebt, lacht und lasst eure Träume fliegen. Und vergesst dabei niemals: Wir sind alle nur Menschen. Mit Fehlern und Macken. Aber weder unsere Hautfarbe, noch unsere Nationalität oder unsere Sexualität entscheiden darüber, ob wir es wert sind, geliebt und akzeptiert zu werden. Wir sind es wert. Jeder einzelne von uns. 



[Sunday Thoughts] Leben unterm Regenbogen // Life under the rainbow

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen